Ist so viel Fleisch nicht ungesund?

„Aber bei LCHF isst man doch wahnsinnig viel Fleisch. Das kann doch nicht gesund sein.“ Diesen Satz habe ich in all den Jahren wirklich oft gehört. Und meistens entsteht vor meinem inneren Auge sofort dasselbe Bild: morgens Speck, mittags ein riesiges Steak und abends noch ein Berg Frikadellen.

Nur: Das ist nicht LCHF.

LCHF heißt Low Carb High Fat. Nicht Low Carb High Fleisch.

Fleisch ist bei LCHF vor allem eine Proteinquelle

Natürlich passt Fleisch zu LCHF. Es enthält kaum Kohlenhydrate und liefert hochwertiges Protein. Aber daraus folgt nicht, dass wir möglichst große Mengen davon essen sollten.

Protein hat bei LCHF eine klare Aufgabe und einen festen Platz. Ich halte heute auch nichts mehr davon, Protein aus Angst vor Glukoneogenese oder etwas niedrigeren Ketonwerten künstlich kleinzuhalten. Wir brauchen ausreichend Protein – unter anderem für Muskulatur, Gewebe und viele andere Funktionen des Körpers.

Ausreichend bedeutet aber nicht: möglichst viel.

Und Protein bekommen wir außerdem nicht ausschließlich aus Fleisch. Fisch, Eier und – je nach persönlicher LCHF-Variante – Milchprodukte und weitere Lebensmittel tragen ebenfalls dazu bei.

Wie ich Protein heute bei LCHF einordne, findest du ausführlicher im Beitrag „Wie viel Protein soll es denn sein?“

Beitragsbild Ist so viel Fleisch nicht ungesund - diverse Fleischsorten auf einer Unterlage

Aber LCHF heißt doch „High Fat“ – muss das Fett dann nicht aus dem Fleisch kommen?

Nein.

Das ist vielleicht einer der Gründe, warum das Bild vom fleischlastigen LCHF so hartnäckig ist.

Natürlich können wir fettreichere Fleischstücke essen. Aber natürliche Fette kommen bei LCHF aus ganz unterschiedlichen Lebensmitteln: zum Beispiel aus Butter, Olivenöl, fettem Fisch, Eiern, Avocado, Oliven oder den Lebensmitteln selbst.

Ich muss also kein halbes Schwein auf meinen Teller legen, um LCHF zu essen.

Mein Teller darf sehr wohl nach Gemüse, Salat und Kräutern aussehen – mit einer vernünftigen Proteinquelle und genügend Fett, damit die Mahlzeit schmeckt und satt macht.

Ist Fleisch denn nun gesund oder ungesund?

Ich finde schon die Frage etwas zu einfach, denn „Fleisch“ ist keine einheitliche Lebensmittelgruppe, bei der Qualität, Verarbeitung, Menge und Zubereitung völlig egal wären.

Ein Stück frisches Rindfleisch ist nicht dasselbe Lebensmittel wie eine stark verarbeitete Wurst mit langer Zutatenliste. Und genau diese Unterschiede sollten wir auch in der Diskussion über gesundheitliche Risiken nicht einfach wegwischen.

Besonders bei verarbeitetem Fleisch ist die Datenlage ungünstiger. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC bewertet verarbeitetes Fleisch hinsichtlich des Darmkrebsrisikos deutlich kritischer als unverarbeitetes rotes Fleisch; rotes Fleisch wurde aufgrund einer weniger eindeutigen Datenlage als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft.

Das nehme ich ernst.

Was ich daraus allerdings nicht ableite, ist die Behauptung, dass ein naturbelassenes Stück Fleisch automatisch ein ungesundes Lebensmittel sei und aus einer guten LCHF-Ernährung verschwinden müsse.

Qualität und Verarbeitung machen für mich einen Unterschied

Ich werfe deshalb Steak, Hackfleisch, Kassler, Salami und irgendein hochverarbeitetes Fleischprodukt nicht einfach in einen Topf, nur weil alles einmal von einem Tier kam.

Bei LCHF bevorzuge ich möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel. Das gilt für Fleisch genauso wie für alles andere.

Und wenn es meine Möglichkeiten zulassen, achte ich auf Herkunft und Tierhaltung. Nicht, weil LCHF nur mit dem teuersten Biofleisch funktioniert – das tut es nicht –, sondern weil Lebensmittelqualität für mich grundsätzlich eine Rolle spielt.

Und wie viel Fleisch gehört nun auf den LCHF-Teller?

Dafür gibt es keine vorgeschriebene Grammzahl.

Für mich ist die wichtigere Frage: Wo ist meine vernünftige Proteinquelle? Das kann heute Fleisch sein, morgen Fisch, Eier oder etwas anderes Passendes.

Was ich nicht mache: erst irgendeine vermeintlich erlaubte Fleischmenge ausrechnen und anschließend versuchen, noch das Protein aus meinem Brokkoli dagegen aufzurechnen. So kompliziert muss Essen wirklich nicht werden.

Wenn auf deinem Teller regelmäßig eine gute Proteinquelle liegt, reichlich kohlenhydratarmes Gemüse und andere passende LCHF-Lebensmittel ihren Platz haben und du natürliche Fette verwendest, bist du ziemlich weit entfernt von dem Klischee, LCHF bestehe hauptsächlich aus Fleischbergen.

Woher kommt das Bild vom „Fleischfresser-Diät“ überhaupt?

Wahrscheinlich werden da mehrere Ernährungsformen miteinander vermischt. LCHF, Atkins, ketogene Ernährung, Zero Carb und Carnivore landen im allgemeinen Sprachgebrauch gerne gemeinsam in einer großen Schublade. Dabei sind das unterschiedliche Konzepte.

Und vielleicht trägt auch die typische Darstellung in sozialen Medien ihren Teil dazu bei. Ein riesiges Steak mit Kräuterbutter schreit auf einem Foto eben deutlich lauter „KETO!“ als ein Teller mit Blumenkohl, Salat, Ei und einer guten Sauce.

Das macht das Steak aber noch lange nicht zur Definition von LCHF.

Mein Fazit

Nein, für LCHF musst du keine Unmengen Fleisch essen.

Fleisch kann ein wertvolles und leckeres Lebensmittel innerhalb einer LCHF-Ernährung sein. Es ist aber eine Proteinquelle unter mehreren – und nicht der Mittelpunkt, um den sich zwangsläufig jede Mahlzeit drehen muss.

Ich möchte ausreichend Protein, gutes Essen, natürliche Fette und reichlich passende Lebensmittel auf meinem Teller.

Und wenn mir jemand danach immer noch erzählt, LCHF bestehe hauptsächlich aus Fleisch, dann weiß ich wenigstens: An meinem Teller kann er es nicht gesehen haben. 

Häufige Fragen zu LCHF

Kurz gefragt. Klar beantwortet.

Die wichtigsten Fragen zu LCHF findest du hier kompakt und ohne unnötige Umwege.

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