Jason Fung: Die Schlankformel

Als „Die Schlankformel“ Ende 2017 auf Deutsch erschien, hatte ich das englische Original The Obesity Code bereits gelesen – und war ziemlich begeistert.

Das Buch passte zu vielem, womit ich mich durch LCHF ohnehin beschäftigte: Insulin und Insulinresistenz, Zucker und raffinierte Kohlenhydrate, Hunger und Sättigung sowie Fasten. Ich habe das Buch damals sehr gerne empfohlen.

Seitdem sind einige Jahre vergangen, die Forschung ist weitergegangen – und auch meine eigene Sicht auf manche Dinge ist differenzierter geworden. Würde ich „Die Schlankformel“ heute noch empfehlen? Ja. Aber nicht mehr ganz so vorbehaltlos wie damals.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich 2018 und wurde 2026 von mir überarbeitet und neu eingeordnet.

Schlankformel

Worum geht es in „Die Schlankformel“?

Jason Fung ist ein kanadischer Arzt, der vor allem durch seine Bücher über Adipositas, Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes und Fasten bekannt geworden ist.

In „Die Schlankformel“ hinterfragt er die Vorstellung, Abnehmen ließe sich hauptsächlich auf „weniger essen und mehr bewegen“ reduzieren. Stattdessen betrachtet er unter anderem Insulin, Insulinresistenz, Hunger, Körpergewichtsregulation und die Häufigkeit unserer Mahlzeiten.

Ein wichtiger Gedanke dabei ist: Es kommt nicht nur darauf an, wie viel wir essen, sondern auch darauf, was und wie häufig wir essen und wie unser Körper darauf reagiert. Diesen Gedanken finde ich nach wie vor wichtig.

Insulin ist wichtig – aber nicht die einzige Antwort

Fung stellt Insulin sehr stark in den Mittelpunkt seines Erklärungsmodells für Übergewicht. Hier würde ich heute deutlicher widersprechen als damals.

Insulin ist selbstverständlich ein wichtiges Stoffwechselhormon, und Insulinresistenz spielt bei vielen metabolischen Erkrankungen eine große Rolle. Aber daraus folgt nicht, dass die Energiebilanz bedeutungslos wäre oder sich Adipositas auf ein einzelnes Hormon reduzieren ließe.

Die interessantere Frage lautet für mich heute deshalb nicht: Kalorien oder Insulin? Sondern: Wie beeinflusst unsere Ernährung Hunger, Sättigung, Stoffwechsel und letztlich auch die Energiemenge, die wir dauerhaft zu uns nehmen?

Und was ist mit Fasten?

Ein wesentlicher Bestandteil von Fungs Ansatz ist intermittierendes beziehungsweise periodisches Fasten. Auch das finde ich nach wie vor interessant – allerdings eher als Werkzeug und nicht als Zaubertrick.

Für manche Menschen ist es angenehm, weniger häufig zu essen, statt ständig über Portionen nachzudenken. Gerade bei LCHF und Keto erleben viele außerdem, dass längere Essenspausen mit zunehmender Sättigung ganz von selbst entstehen.

Aber man muss nicht fasten, um LCHF richtig zu machen.

Wo sich Jason Fung und LCHF treffen

„Die Schlankformel“ ist kein klassisches LCHF-Buch. Trotzdem gibt es viele Überschneidungen.

Fung beschäftigt sich intensiv mit Zucker, raffinierten Kohlenhydraten, Insulinresistenz und metabolischer Gesundheit. Er hinterfragt außerdem das ständige Essen und Snacken.

Genau deshalb fand ich das Buch damals so spannend – und deshalb finde ich es auch heute noch lesenswert.

Gut gefällt mir außerdem, dass Ernährung nicht völlig isoliert betrachtet wird. Auch Schlaf und Stress spielen eine Rolle. Denn Gesundheit besteht eben aus mehr als der perfekten Verteilung von Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten.

Würde ich „Die Schlankformel“ heute noch empfehlen?

Ja, aber anders als 2018.

Damals war ich von Fungs Erklärungsmodell sehr überzeugt. Heute sehe ich insbesondere seine starke Konzentration auf Insulin kritischer. Übergewicht und Adipositas sind komplexer, als es ein einzelnes Erklärungsmodell darstellen kann.

Das ändert aber nichts daran, dass Fung wichtige Fragen stellt: Welche Rolle spielen Hunger und Sättigung? Was passiert bei Insulinresistenz? Müssen wir tatsächlich den ganzen Tag essen? Und können längere Essenspausen für manche Menschen sinnvoll sein?

„Die Schlankformel“ ist für mich deshalb weiterhin ein lesenswertes Buch der neueren Low-Carb- und Fastenliteratur – aber kein Buch, dessen jede These man als endgültige Wahrheit betrachten sollte.

Das gilt allerdings für jedes Ernährungsbuch.

Ein wichtiger Hinweis zum Fasten

Wer Diabetes hat und Insulin oder bestimmte blutzuckersenkende Medikamente einnimmt, sollte längere Fastenphasen nicht ohne medizinische Rücksprache beginnen. Die Medikation muss gegebenenfalls angepasst werden.

Lies. Denk nach. Hinterfrage.

Diesen Gedanken aus meinem ursprünglichen Artikel möchte ich behalten. Gerade bei Ernährung ist es verführerisch, jemanden zu finden, der endlich die eine Erklärung liefert. Ich glaube heute noch stärker als früher, dass genau das selten funktioniert.

Gute Bücher können Gedanken anstoßen und dazu bringen, Gewissheiten zu hinterfragen. Aber kein Autor hat automatisch in allem recht. Nicht Jason Fung. Nicht irgendein anderer Ernährungsexperte. Und selbstverständlich auch nicht ich.

Also: Lies. Denk nach. Hinterfrage. Und bilde dir deine eigene Meinung.

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Lies mal wieder!

Durch Lesen können wir unsere Kenntnisse erweitern, unsere Fantasie beflügeln, unsere Gedanken und Ideen weiterentwickeln sowie vor allem unser Wissen und Verständnis in unterschiedlichsten Bereichen vertiefen.

Gerade bei Themen, die wie LCHF (noch) von der Norm abweichen, spielt geeignete Literatur eine große Rolle – anders wird es kaum gelingen, sich eine unabhängige Meinung zu bilden. Darum: Lies!

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