My #1: Die 3 Phasen der Zuckersucht

Zuckersüchtig zu sein ist extrem belastend für den Körper, die Beziehungen, in denen wir leben, und das Umfeld. Eine Abhängigkeit dieser Art greift das Selbstwertgefühl enorm an. Aber woran erkennt man eine Zuckersucht eigentlich? Und wie ist der Krankheitsverlauf?

Eine Abhängigkeit lässt sich in 3 Phasen einteilen. Die erste Phase könnte noch mit einem überzogenen, schädigenden Konsum der Droge verwechselt werden, der Unterschied ist jedoch, dass es eine Sucht nicht in diesem Stadium bleibt, sondern sich weiterentwickelt. Eine Person mit einem überzogenen und schädigenden Konsum kann sich durchaus aufraffen, eine Diät anfangen und es allein durch die Einhaltung der gängigen Ernährungsempfehlungen auch schaffen, sich davon zu befreien. Ein Mensch mit einem Suchtproblem hingegen braucht Wissen, Unterstützung und Fürsorge, um zumindest in einem Zustand der Genesung leben zu können.

Einleitendes zu den 3 Phasen der Zuckersucht

Wir sehen uns im Folgenden die 3 Phasen der Zuckersucht an. Beachte bitte, dass man in der Regel nicht nur Symptome einer einzelnen Phase aufweist, es können sich auch parallel Symptome mehrerer Phasen zeigen. Sollten sich bei dir Symptome der Phase 3 zeigen, bist du in Phase 3 angelangt. Dadurch, dass du bereits durch die Phasen 1 und 2 gereist bist, hast du allerdings natürlich noch Symptome der ersten beiden Phasen mit im Gepäck. Die meisten befinden sich bereits in Phase 3, bevor sie sich ihrer Zuckersucht bewusst werden und sich vollständig dazu bekennen.

Der Begriff „Zuckersucht“ wird häufig leichtfertig von Menschen verwendet, die eigentlich normal sind oder bei denen lediglich ein überzogener, schädigender Konsum vorliegt, der sich jedoch durchaus wie die körperlichen Gelüste bei einem Zuckersüchtigen anfühlen kann. Wenn jedoch dein ganzes Leben durch den Zucker nachteilig beeinflusst wird, bist du tatsächlich zuckersüchtig.

3 Phasen der Zuckersucht - bunter Donut auf Teller

Phase 1

  • Du isst bevorzugt Kohlenhydrate
  • Du isst, um Abstinenzsymptome zu vermeiden (Gelüste, Unruhe im Körper, usw.)
  • Du fühlst dich wegen dieser Esserei „schuldig“
  • Du beginnst eine Diät (das geht von Mitgliedschaften in Diätclubs, aber auch bis hin zum Gebrauch von Abführmitteln oder bewussten übergeben, usw.)
  • Du beschäftigst dich viel mit dem Thema „Essen“
  • Du versuchst es mit Training (bis hin zu zwanghaftem Training)
  • Du überisst dich an bestimmten Nahrungsmitteln
  • Du pendelst gewichtstechnisch auf und ab
  • Du hast Angst, dick zu werden

Phase 2

  • Die Menschen in der Umgebung machen Druck, dass du dein Gewicht in den Griff bekommen musst
  • Es fällt dir schwer, Versprechen zu halten und Beschlüsse durchzuziehen
  • Du hast keine Kontrolle über dein Essverhalten
  • Deine Methoden zur Gewichtskontrolle werden immer destruktiver: Übergeben, Missbrauch von Abführmittel, etc.
  • Du bist unehrlich bzw. lügst
  • Deine Gedanken kreisen ständig um die Themen „Ernährung“ und „Gewicht“
  • Du verlierst dein generelles Interesse an anderem und deine Energie
  • Es entwickeln sich Schwierigkeiten mit sozialen Beziehungen, dem Job und der finanziellen Situation
  • Du verspürst wegen deines Essverhaltens konstant Schuldgefühle und ein quälendes Gewissen

Phase 3

  • Du isst auch mitten in der Nacht
  • Du schaust dich nach therapeutischer Hilfe um
  • Es treten physische Probleme mit Magen, Herz, Rücken, Knochen, etc. auf
  • Essanfälle wechseln sich mit Phasen des Hungerns ab
  • Wertevorstellungen werden gebrochen: Du stiehlst, klaust, lügst und legst andere herein
  • Du isolierst dich
  • Du verlierst den Glauben an dich selbst
  • Resignation und Depression

Quelle des Originaltextes über die einzelnen Phasen in Schwedisch: Arteget.se

Beachte, dass sich nicht notwendigerweise alle Symptome bemerkbar machen. Ich habe beispielsweise nie Abführmittel verwendet. Aber ich merke schnell, dass sich mein Zustand verschlechtert, wenn ich anfange, mich mehr und mehr zu isolieren. Ich vermeide es dann, meine Freunde und Bekannte zu treffen, ziehe weiter geschnittene Kleidung an, vermeide es, ins Fitnessstudio zu gehen, weil ich mich schäme, etc. pp. Früher habe ich gestohlen und andere hereingelegt, um an Geld zu kommen, damit ich mir Süßigkeiten kaufen konnte.

Ich möchte betonen, dass es sich um eine ernsthafte Erkrankung handelt und hoffe sehr, dass es uns Betroffenen gelingt, einzusehen, dass es eben nicht reicht, eine Diät zu machen. Die Ernährung macht gerade einmal 10% aus, für den Rest sind Unterstützung, Wissen und die richtigen Werkzeuge nötig. Wenn du es geschafft hast, abzunehmen und das Gewicht rein mit der Ernährung stabil zu halten, bist du NICHT zuckersüchtig. In dem Fall lag möglicherweise lediglich ein überzogener, schädigender Konsum vor.

Ich verspreche dir, Mitschwester oder -bruder in der Sucht, dass je schneller du deine Zuckersucht einsiehst und dich dazu bekennst, desto schneller wirst du dein Leben zu 100% leben können. Je länger wir es leugnen, desto kränker werden wir.

Der Weg zum Suchttherapeuten ist quasi das letzte Haus am Ende der Straße. Alles andere haben wir bereits ausprobiert: 100 Diäten, jahrelange Therapie und haben dennoch unseren Körpern massiv geschadet. Das muss nicht so sein! Indem wir unser Wissen weiterreichen und es teilen, können andere Betroffene schneller die richtige Hilfe bekommen.

Und weißt du, was das Beste ist?

Du kannst dein Leben in vollen Zügen genießen, richtig glücklich werden, dich wagen, Forderungen zu stellen und Grenzen zu setzen, mehr geliebt werden, leichter ein besseres Verhältnis zu anderen aufbauen und ein Leben ohne Scham und Schuldgefühl leben.

Das klingt gerade vielleicht wie ein Traum, nicht wahr? So kann es dir eines Tages gehen. Wenn du den Mut fasst, es dir eingestehst und anfängst, an deiner Sucht zu arbeiten, kann das sogar recht bald der Fall sein. Du hast es verdient, dein Leben maximal zu genießen. Du verdienst es, glücklich zu sein.

Deine My

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In jedem von uns steckt das starke Potenzial, die eigene Gesundheit und körperliche Situation besser zu machen – und seien die Schritte noch so klein und langsam. Für manches brauchst du vielleicht medizinische Hilfestellung, aber vieles liegt allein in deiner Hand. Die Ernährung ist dabei viel wesentlicher als du dir vielleicht vorstellen kannst.

Übernimm Verantwortung für deine Gesundheit, nutze, was du selbst tun kannst, aber nimm vernünftig die Hilfe an, die du individuell brauchst. Lies, lerne und setz um. Heute ist ein guter Tag für ein gesünderes Leben. Meinst du nicht?

Autorin: My Westerdahl

Porträt My Westerdahl

My hat eine sehr frische und offene Art, die Dinge beim Namen zu nennen. Für ihre Beiträge zum Thema Zuckersucht bin ich ich enorm dankbar, das öffnet Augen und Herzen.

Bitte beachte, dass My in ihren Texten lediglich von ihren persönlichen Erfahrungen schreibt bzw. über das, was sie bei ihrer Behandlung der Zuckersucht gelernt hat. Sie ist kein Profi mit entsprechender Ausbildung! Ihre Erfahrungen gibt sie einfach weiter.

Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel - und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein.

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