Stolperfalle: gute Vorsätze

Anne sich für uns sehr umfassende Gedanken rund um das Thema Vorsätze bzw. Zielsetzung gemacht. Wie sollten man Vorsätze und Ziele formulieren, damit sie auch schlussendlich zielführend sind? Ich wünsch dir viel Erleuchtung beim Lesen!

Inhaltsverzeichnis zu Kap der guten Vorsätze

Gute Vorsätze - Schall und Rauch?

Umgeben von Menschen, die ich gern hab, stehe ich auf der Straße. Es ist kalt und dunkel, nur ein paar verfrühte Leuchtraketen erhellen die Nacht. Die Stimmung ist ausgelassen, dennoch ziehe ich mich innerlich einen Moment zurück, nehme das Gelächter und Gläserklirren nur noch aus der Ferne wahr, begrüße still das neue Jahr.

„Morgen“, denke ich, „ab morgen mache ich Diät. Das sollte ich schon längst tun, selbst mein Arzt hat es mir geraten. Ok, vielleicht ab übermorgen, wenn die Reste vom Fest aufgegessen sind. Ach, und nächste Woche der Geburtstag. Den sollte ich vielleicht auch noch abwarten. Aber dann, ganz bestimmt! Und Sport mache ich ab morgen. Jeden Tag!“

Kommt dir das bekannt vor? So ähnlich hat es sicher jeder schon mal erlebt. Gute Vorsätze zum Jahresbeginn, die spätestens Ende Januar schon wieder Geschichte sind. Darum hört sich „gute Vorsätze“ bei mir ungefähr genauso an wie „hat sich stets bemüht“ im Arbeitszeugnis…

Mal ehrlich, die besten Entscheidungen trifft man nicht unbedingt Silvester, oder? Trotzdem lohnt es sich, mal hinzuschauen, warum eigentlich die guten Vorsätze so oft scheitern.

Ganz viel hat mit der Motivation zu tun. Tue ich etwas aus mir selbst heraus, weil ich es selbst will? Oder ist es mehr, weil ich denke, ich müsste oder sollte etwas tun? Oder vielleicht, weil meine beste Freundin abgenommen hat (oder Sport gemacht/mit dem Rauchen aufgehört/…, die Liste lässt sich beliebig erweitern) und auch mein Arzt meint, ein paar Kilo weniger würden mir nicht schaden? Wie ernst kann es mir dann wirklich sein mit diesem Vorhaben? Nicht allzu sehr, oder?

Dann ist da noch der Umfang. Jeden Tag Sport? Womöglich von 0 auf 100? Und dann im Januar, wo es im Fitnessstudio eh am vollsten ist? Wie oft geht man da wohl hin?? Ein paarmal sicher, allein fürs gute Gewissen. Und dann kommt dies und jenes und schon ist alles wieder vergessen.

Ich will damit nicht sagen, dass es eine schlechte Idee ist mit den guten Vorsätzen. Und wenn man es richtig macht, kann man den Schwung, den so ein neues Jahr oft bringt, ja durchaus nutzen. Die Frage ist nur, wie man es angeht mit den persönlichen Zielen, ohne am Ende einmal mehr gefrustet die Pläne an den Nagel zu hängen.

Wie kann man es also besser machen? Nun, zum einen sollte die Motivation klar sein. Sie selbst müssen es wollen, ganz für sich persönlich. Nicht um anderen zu gefallen, schon gar nicht aus schlechtem Gewissen heraus. Sondern weil es Ihnen selbst etwas bedeutet und Sie sich davon etwas für sich selbst und Ihre Gesundheit, Ihr Wohlbefinden erhoffen.

Dann ist es gut, ein konkretes Ziel zu haben und so etwas wie einen Fahrplan, der Sie zum Ziel navigiert. Bewährt hat sich eine Methode, die sich SMART nennt (und es auch ist).

SMART – was versteckt sich dahinter?

Es ist eine ganz simple Formel, mit denen man Ziele konkretisieren und erfolgreich angehen kann. Die Buchstaben stehen für folgendes:

S = spezifisch
M = messbar
A = akzeptiert (andere sagen auch „aktuell“, m.E. nach trifft es „akzeptiert“ aber besser)
R = realistisch
T = temporär (zeitlich begrenzt).

Hast du noch einen Moment Zeit? Dann würde ich die einzelnen Punkte gern anhand eines Beispiels erklären.

S wie Spezifisch

Je genauer und konkreter dein Ziel beschrieben werden kann, desto besser ist es. Statt einem vagen „ab morgen (oder übermorgen oder nächster Woche) mache ich Diät“ wird es spezifisch, wenn du sagst: „Ab morgen, den soundsovielten des Jahres, stelle ich meine Ernährung auf LCHF um. LCHF heißt: wenig Kohlenhydrate, viel Fett. Außerdem halte ich mich in der Auswahl meiner Nahrungsmittel an die linke Seite im Flyer. Auf diese Weise werde ich mein Körpergewicht um mindestens 10% reduzieren.“

Versuche möglichst konkret zu formulieren, was genau du erreichen willst und auf welche Weise. So bleibt wenig Raum für Hintertürchen…

M Wie Messbar

Dein Ziel muss so formuliert werden, dass es überprüfbar ist. Um beim Beispiel zu bleiben: um später festzustellen ob wirklich 10% Körpergewichts reduziert wurde, muss zunächst das Ausgangsgewicht festgehalten werden. Und um zu überprüfen, ob die Ernährung wirklich auf LCHF umgestellt wurde, solltest du dein Essen protokollieren – z.B. in einem Ernährungstagebuch.

Die Zielformulierung lautet jetzt also: „Ab morgen, den soundsovielten des Jahres XY, stelle ich meine Ernährung auf LCHF um. Derzeit wiege ich x kg. Einmal wöchentlich, z.B. jeden Samstagmorgen, werde ich mich wiegen und das Ergebnis schriftlich festhalten. Außerdem werde ich meine tägliche Nahrungsaufnahme in einem Ernährungstagebuch protokollieren.“

A wie Akzeptiert

Bist du mit dem Mittel deiner Wahl einverstanden? Also willst du wirklich deine Ernährung auf LCHF umstellen? Das hat auch wieder etwas mit der Motivation zu tun. Kommt der Wunsch zur Gewichtsabnahme und für LCHF von dir selbst? Und überzeugt DICH das Konzept LCHF, oder wilst du es nur mal versuchen, weil auch die Nachbarin damit abgenommen hat und ganz begeistert ist?

Bei dieser Frage solltest du wirklich ehrlich zu dir selbst sein. Falls du Zweifel hast, könntest du auch dein Ziel anders formulieren. Bspw.: „Ich möchte herausfinden, ob LCHF etwas für mich ist. Dafür werde ich diese Ernährungsform 30 Tage testen.“ (Auch dieses Ziel sollte dann SMART formuliert werden, aber das erspare ich uns an dieser Stelle)

R wie Realistisch

Ui, ganz kritischer Punkt wenn‘s ums Abnehmen geht…

Nicht selten geht man doch mit völlig überzogenen Erwartungen und Vorstellungen an eine Gewichtsreduktion. Möglichst schnell möglichst viel abnehmen. Setz dich mal eine Stunde beim Arzt ins Wartezimmer und blätter durch die diversen Zeitschriften. Zähl mal, von wie vielen Crash-Diäten dort geschwärmt wird und wie viele glückliche Frauen einem dort entgegen strahlen, die angeblich innerhalb von nur 7 Tagen 10 Kilo verloren haben (ok, ich übertreibe…). Wir alle wissen, dass DAS nicht realistisch ist. Und doch neigen wir hin und wieder dazu, darauf hereinzufallen, oder?

Überleg dir also ein realistisches Ziel! 10% vom Ausgangsgewicht zu verlieren ist z.B. realistisch, sofern du denn überhaupt übergewichtig bist und dein Körper das auch so sieht. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. Mehr dazu, wie LCHF das Gewicht regulieren kann auf natürliche Weise, findest du Sie z.B. auf dieser Website und im LCHF-Forum.

T wie Temporär

An dieser Stelle wird es etwas kniffelig, wenn es um das Gewicht geht. Wir alle wissen, dass wir unserem Körper nicht vorschreiben können, wie schnell er bitteschön die überflüssigen Kilos abschmeißen soll. Ohnehin geht es bei LCHF auch nicht um eine vorübergehende „Diät“ (wenn man den Begriff in seiner modernen Gebräuchlichkeit sieht, denn eigentlich ist die Bedeutung des aus dem Griechischen stammenden Wortes Diät durchaus „Lebensweise“ oder „Lebensführung“), sondern um eine dauerhafte Ernährungsform.

Um in unserem Beispiel zu bleiben könntest du jedoch festhalten, dass du nach Erreichen des Ziels (du weißt schon, 10% Gewichtsabnahme…) ein neues Ziel formulieren. Dann könntest du mit Sport anfangen, zum Beispiel.

Schön fixieren

Alles klar soweit? Dann los!

Nimm dir ein Blatt Papier, deinen schönsten Stift und schreib deine Ziele auf. Wenn Vielleicht hängst du dir das Blatt gut sichtbar an den Kühlschrank. Oder schreibst einen ganz eigenen Blog – es gibt so viele Möglichkeiten…

Eins steht aber fest: Auf Silvester brauchst du nicht warten!

„Der Ziellose erleidet sein Schicksal – der Zielbewusste gestaltet es.“ Immanuel Kant

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Autorin: Anne Paschmann

Anne und ich haben uns 2015 über LCHF und das Forum kennengelernt, und seitdem ist sie ein wichtiger Mensch in meinem Leben.

Anne kann darüber hinaus wundervoll schreiben, ihre Gedanken auffällig klar und mit Herz auf Papier bzw. die Webseite bringen und unterstützt LCHF.de mit ihren interessanten Texten.

Mit mir zusammen hat sie die LCHFpur Kochbuchserie veröffentlicht.

In Eigenregie ist sie Autorin des Buchs Mein Low Carb High Fat Kochbuch – wie ich mit viel Fett schlank wurde, erschienen beim TRIAS-Verlag (Link führt zu Infos dazu auf ihrer Webseite). 

Annes Webseite

Annes Texte auf LCHF.de

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