Birgitta Höglund und ihre LCHF-Küchenzaubereien

Birgitta Höglund ist eine echte Zauberin in der LCHF-Küche. Seit vielen Jahren präsentiert die gelernte Köchin auf ihrem Blog „Birgitta Höglunds mat“ richtig tolle LCHF-Rezepte, die man gerne nachkocht. Der Blog ist wirklich eine wahre Fundgrube.

Darüber hinaus hat sie drei LCHF-Kochbücher in Schweden veröffentlicht, „LCHF för seniorer“ sogar mit Dr. Annika Dahlqvist, die eine der Gründerinnen von LCHF ist. Zwei davon findest du auch in meinem heimischen Bücherregal, denn ich habe ein ausgesprochenes Faible für gute Kochbücher.

Jedenfalls lag es nahe, Birgitta um ein Interview zu bitten, und ich freue mich sehr, dass sie meiner Bitte so ausführlich nachgekommen ist. Nicht nur das, sie hat uns sogar ein Rezept als Geschenk da gelassen.

Danke, Birgitta!

Drei rote Ausrufungszeichen

TIPP:

Falls du nicht Schwedisch sprichst, aber Interesse an Birgittas Rezepten hast, empfehle ich dir die Seite Deepl.com – da kannst du dir sogar Schwedisches kostenlos übersetzen lassen!

In einem Satz gebündelt: Wer ist Birgitta Höglund?

Ich lebe in Östersund (Jämtland) in Schweden, werde bald 54 Jahre alt und genieße gerne und ausgiebig gutes Essen, die Natur und meine Reisen.

Foto von Birgitta Höglund

Wie hast du zu LCHF gefunden - und wann? Warst du von Anfang an überzeugt?

Ich habe LCHF zunächst im Internet gefunden, hatte vorher schon einige Jahre lang GI (Anmerkung: GI ist/war in Schweden recht beliebt und basiert darauf, dass man bei der Auswahl der Lebensmittel auf den GI, also den glykämischen Index achtet) und Atkins ausprobiert, da ich nach einem Rückenschaden übergewichtig geworden war. Darüber hinaus hatte ich große Probleme mit Fibromyalgie bzw. Schmerzen im ganzen Körper.

Im Frühjahr 2009 nutzte ich die Chance und besuchte eine interessante Vorlesung mit Dr. Annika Dahlqvist, der Frau, die die ganze LCHF-Bewegung in Schweden in Gang gesetzt hat. Annika war es mit LCHF gelungen, ihre Fibromyalgie-Beschwerden in den Griff zu bekommen. Das gab mir das Gefühl, dass wenn es ihr gelungen war, sich besser zu fühlen, würde ich es vielleicht damit auch schaffen.

Bereits einen Tag nach der Vorlesung begann ich mit LCHF und spürte bereits nach einigen Tagen, dass es mir besser ging. Ich hatte weniger Schmerzen und fühlte mich deutlich fitter, was sich noch verstärkte, als ich nach etwa einem halben Jahr sämtliches Gluten aus meiner Nahrung verbannte. Damit wurde auch mein Magen viel besser, meine Migräne verschwand und ich fühlte mich noch wohler! Ich hatte vor dem Beginn mit LCHF zwar nicht so viel Übergewicht, wie in den Jahren direkt nach meinem Rückenschaden, aber ich nahm dennoch in den ersten Jahren weitere 10 Kilo ab.

Wie sieht dein persönliches LCHF aus?

Mein persönliches LCHF hat sich innerhalb dieser sechs Jahre deutlich gewandelt. Im ersten Jahr aß ich täglich recht viel Sahne und Käse. Nach einer Weile meldete sich jedoch mein Magenproblem wieder zurück, was ich mit dem hohen Konsum von Milchprodukten in Verbindung setzte. Daher begann ich, mehr über Paleo zu lesen, da es sich dabei auch um eine kohlenhydratreduzierte Ernährungsweise handelt, bei der jedoch neben Getreide auch Milchprodukte ausgeschlossen werden – eben die Ernährung, die wir Menschen in den letzen 10.000 Jahren zu uns genommen haben. In der Steinzeit, als der Mensch sich zu dem denkenden Wesen entwickelte, das wir heute sind, aß man nicht diese großen Mengen an Mehl- und Milchprodukten wie wir das heutzutage tun.

Als ich nun auch noch so gut wie alle Kuhmilchprodukte aus der Ernährung strich, ging es meinem Magen wieder besser. Butter esse ich nach wie vor in großen Mengen und auch ein wenig Schaf- oder Ziegenkäse, aber Sahne gibt nur zu festlichen Anlässen. Dafür verwende ich mehr Kokosöl und Kokosmilch als früher.

Es lässt sich nicht sagen, ob ich eher Paleo oder LCHF esse, weil die beiden Ernährungsweisen aus meiner Sicht sehr ähnlich sind. Ich esse nicht so viel Obst, wie andere bei Paleo, aber ich schneide mir gerne ein wenig in den Salat oder als kleine Beilage zum Essen. Möchte ich das in Messeinheiten ausdrücken, denke ich, dass ich ½-1 Stück Obst täglich zu den Mahlzeiten dazu wähle und ich esse mehr Nüsse als viele LCHFler, rund 100 ml gemischte Nusssorten am Tag. Manchmal esse ich auch ein wenig Wurzelgemüse wie Pastinake, rote Beete, Steckrübe oder Süßkartoffel, etc.

Man kann also sagen, dass mein Ernährung nunmehr eine Mischung aus LCHF und Paleo ist, aber nach wie vor Low Carb und High Fat.

Da hast du ja einige Beschwerden gehabt, bevor du mit LCHF angefangen hast. Kannst du darauf noch ein wenig näher eingehen?

Wie ich schon sagte, hatte ich große Probleme mit starken Schmerzen in den Muskeln und den Gelenken. Ich war so müde, dass ich mich jeden Tag zwischendurch hinlegen musste, um mich auszuruhen. Darüber hinaus hatte ich von klein auf Magenprobleme. Migräne bekam ich mit 13 Jahren das erste Mal und sie hat mich mein ganzes Leben begleitet, eben bis ich alles Glutenhaltige aus meiner Ernährung gestrichen habe. (Anmerkung: Das ergibt sich bei LCHF automatisch, da man idealerweise auf sämtliche Getreideprodukte und Fertigprodukte verzichtet. Gluten ist ein Protein, das in den meisten Getreidesorten zu finden ist.)

Trackst du dein Essen? Zählst du Kohlenhydrate? Wie hoch ist deine tägliche Kohlenhydratmenge?

Ich habe nie Kalorien gezählt, wie man das üblicherweise während einer Diät macht. Ich habe in den letzten Jahren auch nicht die Kohlenhydrate in meiner Nahrung gezählt. Das war so gut an LCHF, als ich vor über 6 Jahren damit begann, man zählte keine Kohlenhydrate, sondern war sehr zurückhaltend und vorsichtig mit Lebensmitteln, die mehr als 5 g Kohlenhydrate pro 100 g enthielten. Damals war die Grundphilospophie von LCHF, dass man sich an fettreicher Nahrung, bestehend aus Fleisch, Fisch, Meeresfrüchten, Eiern, einer großzügigen Portion Fett sowie einer ordentlichen Menge Gemüse, das über der Erde wächst, satt isst. Da gab es keinen, der Fett in Kaffee oder Tee trank, wie es in den letzten Jahren sehr populär geworden ist. Mein LCHF war all die Jahre entsprechend so, dass ich mich an vernünftigen Portionen fettreichen Essens satt gegessen habe.

Ich habe mir ab und an den Spaß gemacht und meine tägliche Makronährstoffverteilung berechnet. Die liegt üblicherweise bei ca. 20 E% (Energieprozent) Protein, 70 E% Fett und 10 E% Kohlenhydrate. Mit dieser Verteilung fühle ich mich gut, esse ich mehr Kohlenhydrate und weniger Fett, fühle ich mich müder und bin hungriger. Esse ich generell zu wenig, fühle ich mich ebenfalls matt und kraftlos, mein Gehirn läuft zäh und ich habe mehr Schmerzen.

Für mich ist es darüber hinaus wichtig, ausreichend Protein zu essen, denn dadurch baute ich mehr Muskeln auf, wurde schlanker und stärker. Ich erlebe heutzutage viele, die Kohlenhydrate zählen oder sogar die Proteinaufnahme sehr reduzieren, aber ich glaube nicht, dass das auf Dauer gut ist. Wir brauchen einfach eine gewisse Menge Protein als Bausteine für unsere Körper, damit er gesund bleibt.

Wie stehst du zu „speziellen LCHF-Lebensmitteln“ wie Zuckerersatzstoffe, LCHF-Pasta, LCHF-Schokolade? Isst du sowas und wenn ja: Regelmäßig oder als absolute Ausnahme?

Ich war nie zuckersüchtig, mein Laster waren allerdings schon Pasta, belegte Brote und Zimtschnecken. Ich war aber nie besonders scharf auf Süßes, daher verwende ich keine Surrogate wie Stevia oder Sukrin (Anmerkung: Zuckerersatzstoff auf Basis von Erythritol) wenn ich backe. Stattdessen süße ich meine Gebäcke mit einer kleinen Menge Honig oder Früchten, nur so viel, dass man einen Hauch Süße ahnt. Ich backe lediglich zu besonderen Anlässen oder für meine Kochbücher.

Ich finde es schon gut, dass es eine Alternative zu Teilchen und Gebäck gibt, die nicht so süß ist, so dass wir LCHFler bei Festen auch etwas zum Genießen haben. Die meisten LCHF-Gebäcke sind aber leider mit viel zu viel Stevia/Sukrin gesüßt und das führt natürlich dazu, dass man eine eventuelle Zuckersucht am Leben erhält, wenn man tagtäglich davon isst. Wenn man einmal eine Weile den Genuss süßer Sachen unterlässt, empfindet man sie hinterher meistens als viel zu süß.

Ich esse also LCHF-Gebäcke, aber sehr selten. Wenn ich etwas Kleines zum Kaffee oder bei einer Einladung genießen möchte, wähle ich etwas Glutenfreies, ein Stück dunkle Schokolade oder ein spezielles Eis. Aber ich finde mittlerweile leider, dass diese Sachen viel zu süß sind und damit schmeckt es mir nicht wirklich gut.

Die meisten Zuckerersatzstoffe, die derzeit auf dem Markt sind, wie z.B. Stevia, haben einen unangenehmen Nebengeschmack, der mir nicht zusagt, ich mag nur natürliche Geschmäcker. Birkenzucker/Xylitol sind aus meiner Sicht die beste Wahl, wenn ich etwas für Diabetiker oder Zuckersüchtige backe, die Honig meiden.

Mir ist gute Qualität bei Lebensmitteln sehr wichtig und ich gebe mir Mühe, stets die beste Wahl zu treffen. Dabei ist auch die Haltung der Tiere ein wesentliches Qualitätsmerkma und dass ich versuche, mich an Saisongemüse und regional Produziertes zu halten. Wie ist deine Ansicht dazu? Und findest du, dass eine LCHF-Ernährung teurer ist als die typische Standardkost?

Bereits bevor ich mit LCHF begann, habe ich schon darauf geachtet, so viele BIO-Produkte zu kaufen wie möglich. Heutzutage weiß ich deutlich mehr darüber, wie wichtig gutes Essen für unsere Körper ist, und dadurch wurde mir dieser Aspekt noch wichtiger. Für mich ist LCHF stets auch verbunden mit Nahrungsmitteln, die so rein, so regional produziert, so gift- und zusatzfrei wie möglich sind.

Ich esse viel geringere Mengen als früher. Ich gebe kein Geld aus für Junkfood wie industrielle Fertigprodukte, Pizza, Bier, Chips, Brot oder Ähnliches, stattdessen gebe ich lieber mehr Geld für Rohwaren aus, die biologisch wertvoll hergestellt werden. Mein Essen ist daher nicht teuer geworden, auch wenn ich pro Kilo Ware mehr bezahle.

Warst du lediglich interessiert an Kochen oder gibt es einen professionellen Hintergrund bei dir? Was mich auch interessieren würde: Was ist aus deiner Sicht das wichtigste Küchengerät, DAS „Must have“?

Ich habe 18 Jahre als Köchin, „Kaltmamsell“ und Küchenchefin in vielen verschiedenen Restaurants gearbeitet, ich verfüge also über ein gediegenes Wissen in dem Bereich. Das war von großem Vorteil, als ich begann über das Kochen bei LCHF und Paleo zu bloggen, es bereitet mir sehr viel Freude. Im weiteren Verlauf war es natürlich auch von großem Nutzen als ich meine Kochbücher schrieb.

Ich beherrsche die Grundlagen des traditionellen Kochens, sowohl in Bezug auf den Alltag als auch bei festlichen Anlässen. Wenn man weiß, wie es geht, ist es viel einfacher Rezepte LCHFtauglich umzugestalten, das ist fast ein wenig wie mein Alleinstellungsmerkmal unter den schwedischen LCHF-Kochbuchautoren heutzutage.

Wenn ich die Zutaten sehe, kann ich mir schon vorstellen, wie das Essen schmecken wird, was zusammen passt und ich verstehe mich auf das Ausbalancieren von Säure, Salz und Süße, damit es richtig gut schmeckt. Ich pflege es mit dem Können von Komponisten oder Musikern zu vergleichen – Köchin zu sein und Rezepte zu komponieren weist tatsächlich Parallelen auf.

Für mich sind Messer und Schneidbrett die wichtigsten Arbeitsuntensilien. Wenn ich beides in guter Qualität zur Hand habe, macht es Spaß zu kochen.

Hand auf’s Herz: Wie viel Zeit verbringst du täglich in der Küche? Und nachdem du bereits so viele Kochbücher geschrieben hast: Kriegst du niemals genug vom Kochen? Geschehen dir beim Kochen eigentlich auch mal Missgeschicke?

Wenn ich lediglich etwas Einfacheres für mich selbst zubereite, dauert es nur wenige Minuten, bereite ich etwas für den Blog, eine Zeitschrift oder ein Kochbuch zu, dauert es natürlich länger. Das Gute an LCHF ist, dass Mahlzeiten in der Regel schneller fertig sind, weil man ja weder Reis noch Kartoffeln kochen muss, was etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Ich kriege tatsächlich nie genug vom Kochen, für mich ist es ein schönes Hobby. Klar, ich habe schon in den letzten 6 Jahren rund 1.200-1.400 Rezepte geschrieben, aber es tauchen immer wieder neue Ideen in meinem Kopf auf. Ich könnte täglich mehrere Rezepte auf dem Blog veröffentlichen, wie ich das zu Beginn meiner Blogkarriere getan habe, aber leider fehlen mir derzeit dazu Zeit und Kraft.

Ich arbeite derzeit als Beraterin für ein neues „Gesundheitscafé“, das demnächst in meiner Heimatstadt Östersund eröffnen wird und das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, dass ich derzeit nicht mehr so viel zum Bloggen komme wie sonst üblich.

Ob manchmal etwas schief geht? Na ja, das geschieht sehr selten und wenn, dann mache ich daraus etwas Neues daraus, dass man trotzdem essen kann. 😉

Ich besitze einige deiner tollen Kochbücher und möchte daher unbedingt von dir wissen: Gibt es Pläne endlich welche davon auf Deutsch zu veröffentlichen? BITTE!

Meine 3 Kochbücher sind diesen Sommer auf Englisch (Anmerkung: Link zu Birgittas englische Kochbücher bei Amazon Deutschland) erschienen. Darin werden sowohl die amerikanischen als auch die europäischen Maß- und Temperatureinheiten berücksichtigt. Wenn man Englisch versteht, lassen sie sich bestens verwenden.

Hast du vielleicht Lust, eins deiner Lieblingsrezepte für unsere Leser zu spendieren? Etwas, das zur Sommerzeit passt, himmlisch schmeckt und dennoch kinderleicht zuzubereiten ist? Das wäre toll!

Das mache ich natürlich gerne. Ich wähle dafür ein Rezept aus meinem Kochbuch „Grillmat LCHF“ bzw. „Low Carb High Fat Barbecue“ (Anmerkung: ein Buch mit Grillrezepten, die bei LCHF gut geeignet sind) – aromatisierte Butter in Spitzpaprika. Ein leckeres, gesundes und hübsches Extra beim Grillen, das sehr leicht herzustellen ist.

Ich wünsche allen Lesern guten Appetit!

Vielen Dank für das Interview und das tolle Rezept, Birgitta! Da das Rezept viel zu schön ist, um es hier unter dem Interview „verschwinden“ zu lassen, stelle ich dafür einen separaten Artikel ein.

Stichpunkte:

Übergewicht, FibromyalgieRückenprobleme, Magenschmerzen

Seitenbild ERfolge mit LCHF

Lasst uns die Erfolge feiern, wie sie fallen – ausgiebig und mit viel Glitter. Wenn dir deine Verbesserung und dein Fortschritt viel bedeutet, dann ist das immer eine Fanfare wert, die nicht laut genug sein kann. Genieß das!

Wichtig: Wenn dir manche Namen etwas merkwürdig vorkommen, dann dürfte es daran liegen, dass in den Texten die Namen verwendet wurden, die diese Menschen auch im Forum verwenden. Da kann man sich nämlich selbst ausdenken, wie man heißen möchte. Da sie gleichzeitig zumindest etwas Privatsphäre behalten möchten, bot sich die Verwendung dieses Kunstnamens für die Erfolgsgeschichten an.

Ich bin jedenfalls mittendrin und voll dabei und darum feier ich diese Erfolge mit LCHF mit größter Begeisterung. Lies dich da mal ein, das ist wirklich atemberaubend:

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