Keine Angst vor Kohlenhydraten

Bei LCHF geht es darum, Kohlenhydrate deutlich zu reduzieren. Aber daraus soll sich keine Angst vor jedem einzelnen Gramm Kohlenhydrate entwickeln.

„Nie wieder Brot? Nie wieder Kartoffeln? Nie wieder ein Stück Kuchen? Und hat jetzt sogar die Zucchini schon zu viele Kohlenhydrate?“

Ich kenne diese Fragen sehr gut. Und meistens steckt dahinter gar nicht nur die Frage nach Brot, Kartoffeln oder Kuchen. Dahinter steckt die Vorstellung, jetzt eine Entscheidung für den Rest des Lebens treffen zu müssen.

Musst du nicht.

Wenn du gerade mit LCHF anfängst, interessiert mich viel mehr, was passiert, wenn du Zucker und Stärke erst einmal eine Weile deutlich reduzierst. Wie verändert sich dein Hunger? Was passiert mit deinem Appetit? Was vermisst du tatsächlich – und was vermisst du vor allem deshalb, weil du gerade denkst, dass du es „nie wieder“ haben darfst?

Das findest du nicht heraus, indem du dir heute schon Gedanken über Weihnachten in fünf Jahren machst.

BEITRAGSBILD Keine Angst vor Kohlenhydraten Monster läuft schreiend weg

LCHF bedeutet nicht: keine Kohlenhydrate

Das wird erstaunlich oft verwechselt. LCHF heißt Low Carb High Fat – nicht No Carb.

Auch Gemüse, Salat, Kräuter, Pilze, Beeren, Nüsse und Milchprodukte enthalten Kohlenhydrate. Das Ziel besteht also nicht darin, jedes einzelne Gramm Kohlenhydrate aus dem Essen zu verbannen.

Wir reduzieren vor allem die großen Zucker- und Stärkequellen: Süßigkeiten und Zucker, Brot und andere Getreideprodukte, Nudeln, Reis, Kartoffeln, gezuckerte Getränke und ähnliche Lebensmittel.

Und damit bleibt plötzlich ziemlich viel Platz für die Kohlenhydrate aus Lebensmitteln, die etwas anderes mitbringen als nur Zucker und Stärke. Vor einer Zucchini muss niemand davonlaufen, nur weil auch sie Kohlenhydrate enthält. Und von Blumenkohl ist wohl eher keiner von uns dick geworden.

Und wenn ich irgendwann trotzdem ein Stück Kuchen essen möchte?

Dann isst du ein Stück Kuchen.

Es gibt keine LCHF-Polizei. Und du hast auch keinen Vertrag unterschrieben, in dem irgendwo steht, dass ein Stück Torte im Jahr 2031 deine bisherige Ernährung rückwirkend ungültig macht.

Wenn du Zucker oder größere Mengen Stärke isst, ist diese Mahlzeit in diesem Moment eben nicht LCHF.

Viel interessanter finde ich die Frage:

Was passiert danach bei DIR?

Für manche Menschen ist ein Stück Kuchen tatsächlich einfach ein Stück Kuchen. Es schmeckt, wird genossen und danach geht das Leben ganz normal weiter.

Für andere macht genau dieses Stück Kuchen eine Tür auf, die sie sehr froh waren, endlich geschlossen zu haben. Plötzlich wird wieder häufiger an Süßes gedacht, der Hunger verändert sich oder aus „heute ausnahmsweise“ wird sehr schnell „morgen auch noch“.

Ich habe nichts davon, jemandem pauschal zu erzählen, eine Ausnahme sei grundsätzlich „überhaupt kein Problem“. Ich weiß schließlich nicht, was diese Ausnahme bei diesem Menschen auslöst.

BEIDES Beides gibt es. Und genau deshalb finde ich persönliche Erfahrung wesentlich hilfreicher als pauschale Cheatday-Regeln.

Mit „Cheatdays“ konnte ich noch nie viel anfangen

Schon das Wort gefällt mir nicht. „Cheaten“ bedeutet betrügen. Aber wen betrüge ich eigentlich, wenn ich ein Stück Kuchen esse? Mich selbst?

Essen muss nicht in „brav“ und „böse“ eingeteilt werden. Eine Entscheidung kann aber sehr wohl Folgen haben, und die darf und sollte man nüchtern beobachten.

Das ist für mich ein wichtiger Unterschied.

Eine Ausnahme macht nicht plötzlich alles kaputt, was du vorher gemacht hast. Aber wenn du jedes Wochenende eine „Ausnahme“ brauchst und montags regelmäßig versuchst, wie aus dem Schleudergang wieder die Kurve zu bekommen, lohnt sich vielleicht die Frage, ob es tatsächlich noch eine Ausnahme ist.

Was passiert bei einer Ausnahme mit der Ketose?

Wenn du sehr striktes oder ketogenes LCHF lebst, können größere Mengen Kohlenhydrate die Ketose vorübergehend unterbrechen.

Das ist weder mysteriös noch dramatisch. Du hast deinem Körper schlicht wieder mehr Glukose zur Verfügung gestellt, und entsprechend verändert sich die Brennstoffnutzung.

Wie stark du darauf reagierst und wie schnell du anschließend wieder in Ketose kommst, ist individuell.

Und auch hier hilft es, zunächst einmal zu wissen, was du mit LCHF eigentlich erreichen möchtest. Wer moderates LCHF lebt, hat naturgemäß mehr Spielraum als jemand, der ganz bewusst dauerhaft ketogen essen möchte.

Ein „Nie wieder“ macht Dinge oft größer, als sie sind

Ich finde diesen „Nie wieder“-Gedanken gerade am Anfang unnötig schwer. Denn etwas Interessantes passiert häufig erst nach einer ganzen Weile der Umstellung: Lebensmittel, die vorher unverzichtbar erschienen, verlieren plötzlich an Bedeutung.

Geschmack verändert sich. Gewohnheiten verändern sich. Hunger verändert sich. Und manchmal verändert sich auch die Vorstellung davon, was eigentlich ein Genuss ist.

Etwas, bei dem man am Anfang dachte: „Darauf könnte ich niemals verzichten“, ist Monate später vielleicht erstaunlich unwichtig geworden.

Und genauso kann es Lebensmittel geben, die man weiterhin gern mag und irgendwann ganz bewusst gelegentlich essen möchte.

Alles Dinge, die du heute noch gar nicht entscheiden musst. 

Gib dir erst einmal die Chance, es herauszufinden

Ich würde mir deshalb am Anfang nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob du in fünf Jahren noch Kartoffeln essen wirst.

Mach erst einmal die Erfahrung. Reduziere Zucker und Stärke konsequent genug und lange genug, damit du überhaupt beurteilen kannst, was sich bei dir verändert. Schau, was mit Hunger und Sättigung passiert. Beobachte, welche Lebensmittel dir guttun und welche dir das Leben unnötig schwer machen.

Und entscheide anschließend auf Grundlage dessen, was du auf diesem Weg über dich gelernt hast, nicht aufgrund der Panik vor einem vermeintlichen „Nie wieder“.

Das ist für mich wesentlich mehr wert als jede starre Regel.

Häufige Fragen zu LCHF

Kurz gefragt. Klar beantwortet.

Die wichtigsten Fragen zu LCHF findest du hier kompakt und ohne unnötige Umwege.

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