Eigenverantwortung ist für mich ein wichtiger Bestandteil von LCHF.
Damit meine ich nicht, dass man alles alleine wissen oder alles alleine schaffen muss. Es geht vielmehr darum, die eigenen Geschicke selbst in die Hand zu nehmen und aktiv zu werden.
Informationen können helfen. Ein Kurs kann Struktur geben. Ein Coach kann begleiten und ein Arzt kann diagnostizieren und behandeln. Aber keiner von ihnen kann einem das tägliche Handeln abnehmen.
Am Ende entscheidest du selbst, was du einkaufst, was du isst, wie du mit schwierigen Situationen umgehst und ob du etwas veränderst, wenn dein bisheriger Weg nicht funktioniert. Genau darin liegt Eigenverantwortung.
Sich Unterstützung zu holen, ist keine Schwäche und steht Eigenverantwortung überhaupt nicht im Weg.
Im Gegenteil: Es kann ausgesprochen vernünftig sein, jemanden zu fragen, der mehr weiß, Zusammenhänge besser überblickt oder von außen erkennt, was man selbst gerade nicht sieht.
Ein guter Coach kann helfen, Muster zu erkennen und eine sinnvolle Struktur aufzubauen. Ein Arzt ist bei medizinischen Fragen wichtig. Bücher, Webseiten und Kurse können Wissen vermitteln und neue Perspektiven eröffnen.
All das sind Hilfsmittel. Die Umsetzung bleibt trotzdem bei dir.
Niemand kann dauerhaft für dich essen, einkaufen, planen oder Entscheidungen treffen. Auch die beste Unterstützung funktioniert nur dann, wenn du selbst mitarbeitest.
LCHF folgt bestimmten Grundprinzipien. Die Kohlenhydrate werden reduziert, natürliche Fette bekommen wieder ihren Platz in der Ernährung, Protein gehört bedarfsgerecht dazu und möglichst unverarbeitete Lebensmittel bilden die Basis.
Innerhalb dieses Rahmens gibt es trotzdem Unterschiede. Manche Menschen kommen mit etwas mehr Kohlenhydraten gut zurecht, andere fühlen sich mit einer sehr kohlenhydratarmen oder ketogenen Variante besser. Einige brauchen klare Strukturen, andere können freier essen. Bestimmte Lebensmittel funktionieren wunderbar, andere machen vielleicht Hunger, Beschwerden oder schlicht Lust auf mehr.
Solche Dinge lassen sich nicht vollständig aus einem Lehrbuch ableiten. Man muss beobachten, ausprobieren und mit der Zeit lernen, was tatsächlich funktioniert.
Gerade am Anfang ist es völlig normal, sich stark an Empfehlungen zu orientieren. Schließlich braucht man erst einmal einen Einstieg.
Mit der Zeit sollte daraus aber mehr werden als das bloße Befolgen von Regeln. Nicht jede Mahlzeit braucht eine Genehmigung und nicht jede Frage lässt sich mit einer allgemeingültigen Grammzahl beantworten. Viel wichtiger ist, Zusammenhänge zu verstehen.
Welche Mahlzeiten sättigen gut? Wann kommt wieder Hunger? Welche Lebensmittel machen es leichter und welche schwieriger? Wo entstehen typische Stolperfallen? Was funktioniert im Alltag und was nur in der Theorie?
Je besser du dich und deine Reaktionen kennst, desto selbstständiger kannst du Entscheidungen treffen.
Eigenverantwortung bedeutet auch, ehrlich mit sich selbst zu sein. Nicht entscheidend ist, was man sich vorgenommen hat, sondern was man tatsächlich tut.
Manchmal klaffen diese beiden Dinge auseinander. Vielleicht war die Ausnahme doch nicht nur eine Ausnahme. Vielleicht haben sich nach und nach wieder mehr Kohlenhydrate eingeschlichen. Vielleicht wird regelmäßig weitergegessen, obwohl längst Sättigung da ist. Oder es gibt eine Gewohnheit, von der man längst weiß, dass sie einem nicht guttut.
Dann bringt es nichts, sich selbst etwas vorzumachen. Genauso wenig hilft es, automatisch zuerst außerhalb der eigenen Person nach einer Erklärung zu suchen.
Natürlich gibt es Situationen, die man nicht oder nur begrenzt beeinflussen kann. Gesundheitliche Probleme, Medikamente, Stress, familiäre Belastungen, finanzielle Möglichkeiten oder andere Lebensumstände können eine große Rolle spielen.
Deshalb bedeutet Eigenverantwortung ausdrücklich nicht, für alles die Schuld bei sich selbst zu suchen.
Aber auch das Gegenteil ist selten hilfreich.
Wenn etwas über längere Zeit nicht funktioniert, lohnt sich irgendwann die Frage, ob man gerade tatsächlich nach einer Lösung sucht oder hauptsächlich nach einem Grund, warum jemand anderes verantwortlich sein soll.
Der Partner kauft die falschen Sachen. Die Kolleginnen bringen Kuchen mit. Im Restaurant gibt es nichts Passendes. Der Coach hat nicht genug motiviert. Der Arzt hat nicht die richtige Antwort.
Manchmal steckt dahinter ein echtes Problem. Manchmal aber eben auch eine Ausrede.
Diese beiden Dinge voneinander zu unterscheiden, ist nicht immer angenehm. Es kann aber sehr hilfreich sein. Der sinnvollste Ausgangspunkt lautet deshalb für mich: Was davon liegt tatsächlich in meiner Hand?
Genau dort beginnt der eigene Handlungsspielraum.
Einer meiner Wahlsprüche lautet: What you’re not changing, you’re choosing. – Was du nicht veränderst, wählst du.
Natürlich gilt dieser Satz nicht für Dinge, die man tatsächlich nicht ändern kann. Niemand entscheidet sich freiwillig für Krankheit, schwierige Lebensumstände oder andere Belastungen. ♥
Es gibt aber durchaus Situationen, in denen man sehr genau weiß, was man verändern könnte und es trotzdem immer wieder aufschiebt.
Wenn mich eine Gewohnheit seit Monaten stört und ich nichts daran ändere, entscheide ich mich zumindest im Moment dafür, sie beizubehalten.
Das darf man natürlich. Aber dann ist es ehrlicher, genau das anzuerkennen, als dauerhaft darauf zu warten, dass sich die Situation von selbst verändert.
Mein zweiter Wahlspruch klingt ein wenig weniger philosophisch: Frau Kann-ich-nicht wohnt in der Will-ich-nicht-Straße.
Auch hier gilt natürlich: Es gibt ein echtes „Ich kann nicht“. Nicht alles ist eine Frage von Motivation oder Willenskraft. ♥
Trotzdem lohnt es sich manchmal, genauer hinzusehen. Denn gelegentlich bedeutet „Ich kann nicht“ eigentlich etwas anderes:
Vielleicht möchte ich gerade nicht. Vielleicht ist mir die Veränderung zu unbequem. Vielleicht möchte ich auf etwas nicht verzichten. Vielleicht weiß ich zwar, was sinnvoll wäre, bin aber noch nicht bereit, es wirklich umzusetzen. Auch das sind Erkenntnisse!
Ein ehrliches „Ich möchte das momentan nicht“ ist häufig hilfreicher als ein jahrelanges „Ich kann nicht“. Ehrlichkeit schafft Klarheit. Und mit Klarheit kann man arbeiten.
Zur Eigenverantwortung gehört für mich allerdings noch etwas anderes: Wer ehrlich mit sich selbst sein möchte, muss sich deshalb nicht ständig kritisieren.
Es wird Tage geben, an denen nicht alles nach Plan läuft. Vielleicht fällt man in eine alte Gewohnheit zurück, trifft eine Entscheidung, die sich hinterher als wenig hilfreich herausstellt, oder hat schlicht eine schwierige Woche. Das passiert.
Sich anschließend fertigzumachen, bringt niemanden weiter.
Interessanter ist die Frage, was eigentlich passiert ist. War die Situation schlecht vorbereitet? Vielleicht war großer Hunger im Spiel? Stress? Müdigkeit? Der Plan am Ende zu streng oder im Alltag schlicht unrealistisch? Gab es einen konkreten Auslöser oder war es einfach eine bewusste Entscheidung, die man beim nächsten Mal anders treffen möchte? Aus solchen Situationen kann man etwas lernen.
Straucheln ist nicht das eigentliche Problem. Entscheidend ist, ob man danach hinschaut, versteht und wieder weitergeht.
Offene Augen bedeuten, sich nichts vorzumachen. Die eigenen Muster zu erkennen, Ausreden von echten Hindernissen zu unterscheiden und Verantwortung für das zu übernehmen, was man tatsächlich beeinflussen kann. Ein offenes Herz bedeutet gleichzeitig, sich selbst dabei nicht zum Feind zu machen.
Man darf Fehler machen. Man darf etwas ausprobieren und feststellen, dass es nicht funktioniert. Ein schlechter Tag, eine misslungene Mahlzeit oder eine Zahl auf der Waage sagt nichts darüber aus, was für ein Mensch man ist.
Ehrlichkeit und Freundlichkeit mit sich selbst widersprechen sich nicht. Im Gegenteil: Ich halte beides zusammen für wesentlich hilfreicher als entweder Selbstbetrug oder ständige Selbstkritik.
Das ist mir wichtig. Eigenverantwortung bedeutet nicht: Wenn etwas nicht funktioniert, bist du selbst schuld.
Es geht nicht um Schuld, sondern um Handlungsmöglichkeiten.
Nicht alles lässt sich beeinflussen. Manche Voraussetzungen sind schwierig, manche Belastungen groß und manche gesundheitlichen Probleme lassen sich ganz sicher nicht mit etwas mehr Disziplin lösen.
Die entscheidende Frage ist deshalb eine andere: Was kann ich beeinflussen und was mache ich mit diesem Teil?
Manchmal ist der eigene Spielraum groß, manchmal klein. Aber genau diesen Spielraum sollte man nutzen.
Eigenverantwortlich zu handeln bedeutet nicht, ab sofort alles richtig machen zu müssen. Das wäre ohnehin unrealistisch.
Man sammelt Erfahrungen, macht Fehler, korrigiert Entscheidungen und lernt dazu. Vielleicht verändert sich mit der Zeit sogar die eigene Vorstellung davon, was gut funktioniert und was nicht. Das gehört dazu. Völlig normal!
Wichtig ist nicht, niemals vom Weg abzukommen. Entscheidend ist, zu bemerken, was gerade passiert, ehrlich hinzuschauen und anschließend direkt wieder eine bewusste Entscheidung zu treffen. Und zwar nicht erst an dem berühmten „nächsten Montag“ der Wiedereinstiege!
Wissen kann man sich holen. Unterstützung darf man annehmen. Beratung und Begleitung können unglaublich wertvoll sein.
Trotzdem bleibt am Ende eine Tatsache bestehen: Der wichtigste Mensch bei deiner Ernährungsumstellung bist du selbst.
Du bist jeden Tag dabei, kennst deinen Alltag, triffst deine Entscheidungen und bist auch genau der Mensch, der für dich etwas verändern kann.
Nicht perfekt. Aber wach, ehrlich und aktiv.
In meinem persönlichen Kurs Back to Basics lernst du Schritt für Schritt, wie du ketogenes LCHF sicher in deinen Alltag integrierst. Ohne ständiges Abwiegen und Tracken, aber mit klarer Struktur und persönlicher Begleitung.
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