Molybdän

Molybdän

Hand aufs Herz: Fällt dir spontan etwas zu Molybdän ein? So wie Grünspan auf Kirchendächern zu Kupfer oder Spinat zu Eisen? Nein? Dann geht es dir wie mir – bevor ich mich wegen dieses Artikels mit Molybdän beschäftigen musste, hätte das auch irgendetwas Außerirdisches vom Mond sein können.

Wobei – das mit dem Mond ist gar nicht so verkehrt: Reines Molybdän konnte auf der Erde bisher nur an einer Stelle in Kamtschatka gefunden werden, dafür aber gleich an dreien auf dem Mond.[1]

Ansonsten liegt dieses Stöffchen vornehmlich in gebundener Form, d. h. als Bestandteil von Erzen verschiedener Art vor, zumeist fällt es als Nebenprodukt bei der Kupfergewinnung an. Die Industrie nutzt Molybdän vor allem zur Härtung von Stahl oder als Bestandteil von Schmiermitteln, in der medizinischen Diagnostik kommt es aufgrund seiner geringen Röntgenstrahlung z. B. bei der Mammografie zum Einsatz.[2]

Molybdän im menschlichen Körper

Im menschlichen Körper sind ca. 0,10 mg Molybdän pro Kilo Körpergewicht vorhanden, wobei der Hauptteil dieses Spurenelements in Leber, Niere, Nebenniere und Knochen zu finden ist.

Wie alle anderen Nährstoffe nehmen wir es mit der Nahrung auf, vermutlich über den Zwölffinger- und Leerdarm wird es in unseren Körper geschleust, zur Leber transportiert und von hier in den Körpergeweben verteilt. Ein Störfaktor bei diesem Prozess kann eine erhöhte Schwefel- und Kupferkonzentration im Körper sein, die den Molybdän-Transport und die weitere Verwendung blockiert und zu einem Mangel an Molybdän bzw. zur geschwächten Funktion der molybdänabhängigen Enzyme führt.

Molybdän ist Bestandteil vieler Enzyme, die wichtigsten sind (Achtung, jetzt wird’s chemisch!) die Xanthinoxidase (Umwandlung von Purin zu Harnsäure), die Sulfitoxidase (Abbau von schwefelhaltigen Aminosäuren) und die Aldehydoxidase (Entgiftung von stickstoffhaltigen Verbindungen) – oder kurz: Molybdän ist immens wichtig, um unseren Körper zu entgiften.

Der Gehalt im Boden spielt eine wichtige Rolle

Wie viel Molybdän in unseren Nahrungsmitteln enthalten ist, ist stark abhängig vom Molybdängehalt des Bodens – ein niedriger pH-Wert der Erde (z. B. durch sauren Regen) führt zur Umwandlung von Molybdän zu schwer löslichen Oxiden, die die Pflanzen nicht aufnehmen können. Daraus folgt logischerweise: wenig Molybdän in der Pflanze -> wenig davon im Fleisch pflanzenfressender Tiere.[3]

Die sogenannte Bioverfügbarkeit schwankt stark je nach Quelle des Spurenelements, wobei sie am höchsten ist, je naturbelassener/unbehandelter die Nahrung bleibt.[4]

Darüber hinaus besteht vermutlich eine enge Beziehung zwischen Molybdän und Fluorid: Molybdän scheint in der Lage zu sein, die Aufnahme von Fluorid zu steigern und dieses vermehrt in den Zahnschmelz einzulagern, mit dem Ergebnis von weniger Karies bei Menschen in Gebieten mit molybdänreichen Böden.[5]

Molybdänarme Böden hingegen sind weniger gesund für die dort lebenden Menschen: In Linxian im Norden Chinas konnte ein Zusammenhang des Molybdänmangels im Boden mit der Entstehung von Tumoren in Speiseröhre und Magen festgestellt werden. Die auf diesen Äckern wachsenden Pflanzen wandeln aufgrund des Mangels an Molybdän Nitrat zu Nitrosaminen um, die erwiesenermaßen karzinogen wirken.

Ob eine Verabreichung von Molybdän als Nahrungsergänzungsmittel das Krebsrisiko senken kann, ist umstritten, jedenfalls konnte dies bei einer Studie an knapp 30.000 Menschen in Linxian über 5 Jahre nicht beobachtet werden.[6]

So richtig klar ist das alles aber nicht!

Wie der geneigte Leser vielleicht bemerkt haben dürfte, ist im obigen Text häufig das Wort „vermutlich“ zu lesen. Molybdän ist ein relativ wenig erforschtes Spurenelement, so schwanken z. B. die Angaben zum empfohlenen täglichen Bedarf je nach Autor erheblich.

Ernstzunehmende Studien am Menschen fehlen nahezu gänzlich, daher wird hier oft auf Tierversuche zurückgegriffen, die dann sicherheitshalber mit einem großen sog. Unsicherheitsfaktor (30 bis 100) belegt werden.

So sind molybdänhaltige Nahrungsergänzungsmittel aus ebendiesen Unsicherheitsgründen damit zu kennzeichnen, dass sie für Kinder bis einschließlich 10 Jahre nicht geeignet sind. Da ein Mangel daran in unseren Breitengraden so gut wie ausgeschlossen werden kann, sollte auf die Einnahme dieser Nahrungsergänzungsmittel völlig verzichtet werden.[7]

Funktionen von Molybdän als Spurenelement

  • Xanthinoxidase (Umwandlung von Purin zu Harnsäure)
  • Sulfitoxidase (Abbau von schwefelhaltigen Aminosäuren)
  • Aldehydoxidase (Entgiftung von stickstoffhaltigen Verbindungen)
  • Abbau von Alkohol in der Leber
  • Energiestoffwechsel
  • Reizweiterleitung (Nerven, Gehirn)

Symptome eines Mangels

Beim gesunden Menschen mit ausgewogener Ernährung ist ein Molybdän-Mangel nicht zu befürchten. Risikofaktoren können jedoch hohe Schwefel- und Kupferkonzentrationen im Körper sein (s. o.), überwiegende Ernährung mit industrieller Fertignahrung, künstliche Ernährung mit Molybdän-Mangel oder die ausschließliche Ernährung mit Lebensmitteln von molybdänarmen Böden (z. B. in bestimmten Gebieten in China, dem Iran und Südamerika).

Auch chronische Darmerkrankungen und die genetisch bedingte Krankheit „Molybdän-Cofaktor-Defizienz“ können zu einem Mangel führen, der sich in folgenden Symptomen äußern kann:

  • Atembeschwerden
  • Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Krämpfe, Erbrechen, Durchfall)
  • Benommenheit
  • Stimmungsschwankungen
  • Juckreiz
  • Herzrasen
  • Funktionsstörungen von Nerven und Gehirn
  • Nachtblindheit
  • Karies
  • Geringe Harnsäurekonzentration
  • Nierensteine
  • Tumore in Speiseröhre und Magen
  • Schwere Schädigungen bei Föten, Neugeborenen und Kleinkindern: Epilepsie, geistige Behinderungen, Hirnschäden

Symptome eines Überschusses

Im Rahmen einer normalen, ausgewogenen Ernährung konnte bislang noch kein Molybdänüberschuss nachgewiesen werden. Jedoch besteht eine enge Beziehung zwischen der Gesundheit der Leber und der Molybdänkonzentration im Blut: Bei Erkrankungen wie Hepatitis, Leberzirrhose, Gallengangsverschlüssen oder Leberschäden durch Alkohol bzw. Medikamente erhöht sich der Molybdänspiegel im Blutserum. Auch eine übermäßige Nahrungsergänzung mit diesem Spurenelement kann zu folgenden Symptomen führen:

  • Erhöhter Harnsäurespiegel
  • Gichtähnliche Symptome
  • Durchfall
  • Kupfermangel

Tagesbedarf

Wie oben schon beschrieben, gibt es äußerst widersprüchliche Angaben zum Tagesbedarf an Molybdän, je nach Herausgeber.

Das SCF (Scientific Committee on Food; Wissenschaftlicher Lebensmittelausschuss der Europäischen Union) hat z. B. einen unschädlichen Höchstwert (UL = Tolerable Upper Intake Level) pro Tag von 600 µg für Erwachsene festgelegt.

Das FNB (Food and Nutrition Board; Wissenschaftlicher Lebensmittelausschuss der USA) hingegen kommt zu einem UL von 2 mg pro Tag für Erwachsene.

Die EVM (Expert Group on Vitamins and Minerals; Großbritannien) spart sich aufgrund der unzureichenden Forschungslage jegliche Empfehlung und geht schlicht davon aus, dass die tägliche Molybdän-Aufnahme der britischen Bevölkerung für diese kein Gesundheitsrisiko darstellt.[8]

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat die untenstehenden Richtwerte bezüglich der täglichen Zufuhr an Molybdän herausgegeben:[9]

Säuglinge (0 – 4 Monate)                  7 µg

Säuglinge (4 – 12 Monate)                20 – 40 µg

Kinder (1 – 4 Jahre)                           25 – 50 µg

Kinder (4 – 7 Jahre)                           30 – 75 µg

Kinder (7 – 10 Jahre)                         40 – 80 µg

Jugendliche & Erwachsene           50 – 100 µg

Wie viel Molybdän steckt in LCHF geeigneten Lebensmitteln?

Wie viel Molybdän in unseren Nahrungsmitteln enthalten ist, ist stark abhängig vom Molybdän-Gehalt des Bodens. Je weniger Molybdän im Ackerboden vorhanden ist, desto weniger können Pflanzen aufnehmen und speichern. Dementsprechend variiert auch der Molybdän-Gehalt in tierischen Nahrungsmitteln.

Aufgrund dieser unsicheren Datenlage ist es relativ schwierig, präzise Werte für einzelne Lebensmittel zu erhalten. Als gute Molybdän-Lieferanten gelten vor allem Getreide, Hülsenfrüchte und auch Innereien.

Die in der Tabelle angegebenen Molybdän-Werte (µg) und die Kohlenhydrat-Werte (g) beziehen sich auf jeweils 100 g des genannten Lebensmittels und sind als Durchschnitts- bzw. Schätzwerte zu verstehen:

Lebensmittel

Molybdän µg

KH g

Schweineleber

220,0

2,6

Kalbsleber

155,0

5,6

Rinderleber

135,0

6,4

Rotkohl

127,0

2,8

Kakaopulver

73,0

10,8

Knoblauch

70,0

28,4

Spinat

53,0

0,6

Zander

51,0

0,0

Karpfen

50,0

0,0

Grüne Bohnen

43,0

3,2

Brathähnchen

40,0

0,3

Miesmuschel

40,0

3,9

Kuhmilch

35,0

4,8

Wassermelone

34,0

8,3

Molke

34,0

4,7

Honigmelone

34,0

9,0

Zwiebel

32,0

4,9

Rindfleisch

28,0

0,7

Schweinefleisch

27,0

0,4

Kokosraspeln

25,0

6,4

Hummer

23,0

0,0

Schnittlauch

20,0

1,6

Hühnerei

14,0

0,7

Kürbiskerne

12,0

14,2

Cashewnuss

10,0

25,3

Johannisbeere rot

10,0

7,3

Johannisbeere schwarz

10,0

10,3

Kresse

10,0

2,0

Porree

10,0

2,5

Möhre

8,0

4,8

Quark

7,0

3,2

Rosenkohl

7,0

2,2

Grünkohl

4,0

1,6

Champignon

3,3

0,6

Quellen

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Molybd%C3%A4n#Vorkommen

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Molybd%C3%A4n#Verwendung

[3] Biesalski HK, Köhrle J, Schümann K: Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Georg Thieme Verlag; Stuttgart/New York 2002

[4] Schmidt E, Schmidt N: Leitfaden Mikronährstoffe. Orthomolekulare Prävention und Therapie. 1. Auflage. Urban & Fischer Verlag, München 2004

[5] Schmidt E, Schmidt N: Leitfaden Mikronährstoffe. Orthomolekulare Prävention und Therapie. 1. Auflage. Urban & Fischer Verlag, München 2004

[6] Blot WJ, Li JY, Taylor PR et al.: Nutrition intervention trials in Linxian, China: supplementation with specific vitamin/mineral combinations, cancer incidence, and disease-specific mortality in the general population.

[7] Bundesinstitut für Risikobewertung: Domke A, Großklaus R, Niemann B, Przyrembel H, Richter K, Schmidt E, Weißenborn A, Wörner B, Ziegenhagen R (Hrsg.) Verwendung von Mineralstoffen in Lebensmitteln – Toxikologische und ernährungsphysiologische Aspekte, Teil 2, BfR-Hausdruckerei Dahlem, 2004

[8] http://www.vitalstoff-lexikon.de/index.php?PHPSESSID=srmvtp69j93uo93lq5hpds5v12&subcatid=455&mode=listarticles&activeMenuNr=5&maincategory=171&maincatid=171&tableExt=-1&menuSet=1&

[9] https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/kupfer-mangan-chrom-molybdaen/

Andrea Texterin der Serie VItamine und Mineralstoffe

Andrea tauchte im April 2016 im LCHF-Forum auf und erfreut uns seitdem nicht nur mit ihrer Anwesenheit, sondern auch mit ihrem erfrischendem Schreibstil, den sie auch beruflich mit vollem Herzblut auslebt.

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