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Jod

Erinnern Sie sich noch an die Fernsehwerbung für „Trill Jod-S-11-Körnchen“? Bei der morgens der Wellensittich tot im Käfig liegt, weil er an seiner vergrößerten Schilddrüse gestorben ist?[1]

So makaber diese Werbung zunächst erscheinen mag, so beinhaltet sie doch mehr als nur ein Vogelfutter-Körnchen an Wahrheit: Jod ist ein essentielles Spurenelement, auch wenn es nur ein Gesamtgewicht von bis zu 20 mg in unserem Körper auf die Waage bringt.[2] Ohne Jod geriete unser Stoffwechsel aus dem Takt, Wachstum und Thermoregulation wären auf Eis gelegt.

Schon die Menschen im Altertum wussten, dass man einen Kropf am besten mithilfe von jodhaltiger Asche aus Meeresschwämmen oder der Schilddrüse von Schafen behandelt. Anfang des 19. Jahrhunderts erkannte (mal wieder) als Erster Humphry Davy, dass dieser aus der Asche von Seetang gewonnene Stoff ein eigenständiges Element darstellt, 1814 wurde ihm der Name „Jod“ gegeben. – Seit 1970 lautet die wissenschaftliche Schreibweise „Iod“ und das Elementsymbol ist das I; allerdings empfiehlt der Duden weiterhin die Alltagsschreibweise „Jod“.[3]

Jod ist ein Sensibelchen

Jod nehmen wir mit unserer Nahrung über den Dünndarm auf, wo es zunächst in das biologisch verwertbare Jodid (eine Verbindung von Jod mit Metallen) umgewandelt wird. Von dort aus wird es mithilfe eines natriumabhängigen Transporters in verschiedene Gewebe (Magen, Brustdrüse, Hypophyse, Augen u. a.) und vor allem zur Schilddrüse transportiert. – An dieser Stelle liegt schon die erste Störanfälligkeit des sensiblen Spurenelements: Haben wir zu viel Nitrat im Körper, schubst dieses das Jod von seinem Sitz im Natrium-Transporter und macht sich selbst dort breit, sodass nur noch viel zu wenig Jod in der Schilddrüse ankommt. Nitrathaltige Gemüse wie Spinat, Mangold, Rettich und Radieschen z. B. sollten daher nicht in großen Mengen verzehrt werden![4]

Endlich vor den Pforten der Schilddrüse angekommen, benötigt Jod den „Schlüssel“ TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon), um in die Zellen der Schilddrüse, die Thyreozyten, hineinzukommen. Dort erfolgt die sogenannte „Jodisation“, ein Oxidationsprozess, der letztlich in die Schilddrüsenhormone T3 und T4 mündet. – Und schon lauert der nächste Stolperstein auf das arme Jod: Leiden wir unter einem Eisenmangel, kann die Jodisation nicht oder nicht in ausreichendem Maße ausgeführt werden.[5]

In Leber und Niere wird das Hormon T4 in das biologisch aktive Hormon T3 umgebaut, das sodann in Zellkernen und Mitochondrien seiner Arbeit nachgeht, nämlich z. B. den Stoffwechsel und das Wachstum zu regulieren und verschiedene Gene mitzugestalten. – Auch hier ist Jod wieder auf die Hilfe eines anderen Spurenelementes angewiesen: Die nötige Umwandlung in das Hormon T3 funktioniert nur mit Selen als wichtigstem Baustein dieser „Dejodase“ genannten Transformation.[6]

Auf den ersten Blick ist Jod also „nur“ für die Herstellung der Schilddrüsenhormone zuständig. Da diese jedoch in fast jeder Zelle unseres Körpers immens wichtige Stoffwechselvorgänge regulieren, führt ein Mangel an Jod somit zum Mangel an Schilddrüsenhormonen und damit letztendlich zu schweren Stoffwechsel- und Entwicklungsstörungen.

Vorkommen

Jod reichert sich vor allem in Meeresfischen, Tang und Algen an, die damit ein guter Jodlieferant auf unserer Speisekarte sind. Auch in Milch und Käse ist es in relevanten Mengen vorhanden. Bei Gemüse und Fleisch von Pflanzenfressern sieht es schon schlechter aus: Da unsere Acker- und Weideböden nicht besonders jodreich sind, ist auch in den darauf produzierten Nahrungsmitteln nicht viel Jod enthalten, auch wenn den Futtermitteln regelmäßig Jod beigemischt wird. Gemäß WHO-Richtlinien gilt Deutschland als gerade eben noch ausreichend mit Jod versorgt.[7] Die Verwendung von jodiertem Speisesalz ist (außer für Menschen mit einer Kontraindikation wie Hashimoto-Thyreoiditis natürlich) daher sehr zu empfehlen.

Außer zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen wird Jod in der Medizin zur Bekämpfung von Pilzen (Antimyotikum) und Wundinfektionen (Antiseptikum) eingesetzt. Sogenannte aromatische Jodverbindungen werden als Kontrastmittel bei Röntgenuntersuchungen verwendet.

Radioaktive Jod-Isotope

Das radioaktive Jod-Isotop „Jod-131“ zeigt gute Wirkung bei der Behandlung eines Schilddrüsenkarzinoms. Auch wird der Einsatz von Jod bei der Bekämpfung von Brustkrebs diskutiert.[8]

Apropos „Radioaktivität“: Im Falle eines Atomunfalls werden radioaktive Jod-Isotope freigesetzt, deren Aufnahme in die Schilddrüse durch Kaliumiodid-Tabletten verhindert werden soll. Deutschland bevorratet zurzeit ca. 137 Millionen Kaliumiodid-Tabletten, die bei einem Kernkraftwerksunglück an die betroffene Bevölkerung ausgegeben werden. In der Schweiz werden standardmäßig alle Personen, die in einem Umkreis von 50 km um ein Atomkraftwerk herum wohnen, mit Jodtabletten bevorratet.[9]

Funktionen von Jod

  • Wesentlicher Bestandteil der Schilddrüsenhormone T3 und T4
  • Regulierung von Stoffwechselprozessen
  • Regulierung von Wachstumsprozessen
  • Steuerung des Grundumsatzes
  • Thermoregulation
  • Beeinflussung der Entwicklung von Knochen und Gehirn
  • Regulation des Stoffwechsels der Schilddrüsenhormone
  • Gestaltung der Wirkung von Genen
  • Beeinflussung der Entwicklung von Nervenzellen

Symptome eines Jod-Mangels

Ca. 30 % der deutschen Bevölkerung leidet unter einem mehr oder weniger schweren Jodmangel.[10] Durch den Verzehr von jodierten Lebensmitteln wie z. B. Salz kann dieser größtenteils ausgeglichen werden. Reicht dies nicht aus, wird in der Regel ein jodhaltiges Medikament verabreicht. Hierbei ist jedoch zwingend darauf zu achten, dass das Jod-Präparat nicht zusammen mit Milch, Milchprodukten oder Fruchtsäften eingenommen wird – diese enthalten nämlich allesamt Calcium, das die Aufnahme von Jod blockiert. Auch bei Rauchern, einer Ernährung, die zu wenig Selen, Eisen und Zink enthält oder zu viel Kohl oder Rettich, ist die Jodaufnahme erschwert.

Schwangere, Stillende sowie Menschen, die keine Milchprodukte oder Fisch zu sich nehmen, haben ein größeres Risiko, an einem Jodmangel zu erkranken und sollten daher öfter ihre Blutwerte kontrollieren lassen. Ein Jodmangel in der Schwangerschaft kann zu schweren Entwicklungsstörungen beim Kind führen!

Zu den Jodmangelerscheinungen zählen:

  • Mangel an Schilddrüsenhormonen
  • Vergrößerung der Schilddrüse (Kropf)
  • Schluckbeschwerden
  • Engegefühl im Hals, Heiserkeit
  • Antriebslosigkeit, Erschöpfung
  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Stoffwechselstörungen
  • Sinkender Grundumsatz, Gewichtszunahme
  • Unerfüllter Kinderwunsch durch Ungleichgewicht der Schilddrüsenhormone
  • Gefahr von Fehlgeburten
  • Fötus: Entwicklungsstörungen des Gehirns und des Nervensystems
  • Kleinkind: Geistige Entwicklungsstörungen, Kleinwuchs

Symptome eines Überschusses

Wer ausschließlich über die Nahrung Jod aufnimmt, wird nicht an einem Jod-Überschuss leiden – es sei denn, man ernährt sich ausschließlich von Seefischen, Algen und Tang. Von einer zu großen Jodzufuhr kann man ausgehen, wenn die Tagesdosis über 500 µg liegt (wobei eine einmalige Aufnahme von bis zu 1000 µg noch keine negativen Folgen zeigt).[11] Ein Jod-Überschuss äußert sich in folgenden Symptomen:

  • Reizung von Haut und Schleimhäuten: „Jodakne“, „Jodschnupfen“
  • Bronchitis
  • Bindehautentzündung
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Hashimoto-Thyreoiditis
  • Morbus Basedow

Tagesbedarf

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat die untenstehenden Richtwerte bezüglich der täglichen Zufuhr an Jod herausgegeben.[12] Die Richtwerte für Deutschland und Österreich unterscheiden sich ein wenig von denen, die von der WHO bzw. der Schweiz herausgegeben wurden, daher werden sie hier ebenfalls dargestellt:

Jod Bedarf

Wie viel Jod steckt in LCHF geeigneten Lebensmitteln?

Die in der Tabelle angegebenen Jod-Werte (µg) und die Kohlenhydrat-Werte (g) beziehen sich auf jeweils 100 g des genannten Lebensmittels, frisch und nicht zubereitet.

Lebensmittel

Jod µg

KH g

Jakobsmuschel

120,0

0,0

Miesmuschel

89,0

3,9

Shrimps

89,0

0,8

Steinpilz getrocknet

75,0

4,0

Hummer

68,0

0,0

Auster

58,0

3,9

Algen

50,0

2,1

Gorgonzola

40,0

0,0

Parmesan

40,0

0,0

Scholle

40,0

0,8

Hering / Makrele / Thunfisch

39,0

0,0

Leberkäse

37,0

0,4

Räucherlachs

37,0

0,0

Schnittkäse Vollfett

36,0

0,0

Feldsalat

35,0

0,7

Lachs frisch

34,0

0,0

Bückling

31,0

0,0

Pfifferling getrocknet

31,0

2,1

Steinbutt

27,0

0,0

Feta

25,0

0,0

Heilbutt geräuchert

22,0

0,9

Hüttenkäse

20,0

2,6

Weichkäse

20,0

0,0

Champignon

18,0

0,6

Möhre

15,0

4,8

Mozzarella

15,0

1,9

Petersilie

15,0

7,4

Tintenfisch

15,0

2,4

Broccoli

14,0

1,9

Sonnenblumenkerne

14,0

12,3

Kürbiskerne

12,0

14,2

Rinderleber

12,0

6,4

Spinat

12,0

0,6

Cashewnuss

11,0

25,3

Hühnerei

10,0

0,7

Leinsamen

10,0

0,0

Mohn frisch

10,0

4,2

Ricotta

10,0

0,3

Sesam

10,0

10,2

Steinpilz frisch

10,0

0,5

Grünkohl

9,0

1,6

Quark

9,0

3,2

Schlagsahne

9,0

3,2

Frischkäse Doppelrahm

8,0

2,5

Radieschen

8,0

2,1

Rettich

8,0

1,9

Saure Sahne

8,0

2,0

Dickmilch

7,0

4,0

Joghurt 10 %

7,0

4,0

Kefir

7,0

4,1

Kuhmilch

7,0

4,8

Weiße Rübe

7,0

4,7

Endivien

6,0

0,3

Mayonnaise

6,0

2,0

Spargel

6,0

1,6

Buttermilch

5,0

4,0

Fenchel

5,0

2,8

Kräutertee

5,0

0,2

Olivenöl

5,0

0,0

Weißkohl

5,0

4,2

Wirsing

5,0

1,7

Aal geräuchert

4,0

0,0

Butter

4,0

0,6

Flusskrebs

4,0

1,3

Oliven grün

4,0

1,8

Oliven schwarz

4,0

4,9

Rotkohl

4,0

2,8

Schnittlauch

4,0

1,6

Steckrübe

4,0

3,7

Forelle geräuchert

3,0

0,0

Grüne Bohnen

3,0

3,2

Kalbsleber

3,0

5,6

Kasseler

3,0

0,9

Kokosraspeln

3,0

6,4

Kopfsalat

3,0

1,1

Leberwurst

3,0

1,5

Mettwurst

3,0

0,2

Pastinake

3,0

2,0

Pfifferling frisch

3,0

0,2

Radicchio

3,0

1,5

Schalotte

3,0

3,3

Schweineschinken

3,0

0,9

Walnuss

3,0

10,6

Avocado

2,0

0,4

Bockwurst

2,0

0,3

Bratwurst

2,0

0,3

Brunnenkresse

2,0

2,0

Eisbergsalat

2,0

1,6

Forelle frisch

2,0

0,0

Gurke

2,0

1,8

Hühnerleber

2,0

6,0

Knoblauch

2,0

28,4

Knollensellerie

2,0

1,6

Kresse

2,0

2,0

Mandeln

2,0

3,7

Paprika grün

2,0

2,9

Pinienkerne

2,0

7,3

Romanosalat

2,0

1,7

Schinkenwurst

2,0

0,2

Schwarzwurzel

2,0

1,6

Schweineleber

2,0

2,6

Weißwurst

2,0

0,3

Zucchini

2,0

2,0

Zwiebel

2,0

4,9

Aubergine

1,0

2,5

Chicorée

1,0

2,3

Eisbein vom Schwein

1,0

1,7

Erdbeeren

1,0

5,5

Haselnuss

1,0

10,5

Heidelbeere

1,0

7,4

Johannisbeere rot

1,0

7,3

Johannisbeere schwarz

1,0

10,3

Kaffee

1,0

0,0

Kohlrabi

1,0

3,7

Kürbis

1,0

4,6

Mangold

1,0

2,9

Paprika rot

1,0

6,4

Porree

1,0

2,5

Putenfleisch mit Haut

1,0

1,3

Rhabarber

1,0

1,4

Salami

1,0

1,9

Sauerkraut

1,0

0,6

Schwarztee

1,0

0,0

Schweinefleisch

1,0

0,4

Sprossen

1,0

2,2

Tomate

1,0

2,6

Wassermelone

1,0

8,3

Weinsauerkraut

1,0

0,8

Quellen

[1] https://www.youtube.com/watch?v=kVKd_f3vJGU

[2] Biesalski HK, Köhrle J, Schümann K: Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Georg Thieme Verlag; Stuttgart/New York 2002

[3] https://www.duden.de/rechtschreibung/Jod

[4] Höring H: Der Einfluss von Umweltchemikalien auf die Schilddrüse. Bundesgesundheitsbl. 35: 1992

[5] Biesalski HK, Fürst P, Kasper H, Kluthe R, Pölert W, Puchstein Ch, Stähelin HB: Ernährungsmedizin. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1999

[6] Arthur JR, Beckett GJ, Mitchell JH: The interactions between selenium and iodine deficiencies in men and animals. Nutr Res Rev. 1999 Jun;12(1):55-73

[7] M. Thamm, U. Ellert, W. Thierfelder, K.-P. Liesenkötter, H. Völzke: Jodversorgung in Deutschland. Ergebnisse des Jodmonitorings im Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS). In: Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz. Band 50, 2007

[8] Ingeborg Börglein: Jod gegen Brustkrebs. In: ÄrzteZeitung. 24. März 2012;
Roland Gärtner: Hat Jod eine Bedeutung in der Prävention und adjuvanten Therapie von Brustkrebs? In: Deutsche Zeitschrift für Onkologie. 41 (2), 2009

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Iod#Strahlenschutz

[10] Hans-Christian Pape, Armin Kurtz, Stefan Silbernagl: Physiologie. 7. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2014

[11] https://www.onmeda.de/naehrstoffe/jod.html

[12] https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/jod/

Andrea Texterin der Serie VItamine und Mineralstoffe

Andrea tauchte im April 2016 im LCHF-Forum auf und erfreut uns seitdem nicht nur mit ihrer Anwesenheit, sondern auch mit ihrem erfrischendem Schreibstil, den sie auch beruflich mit vollem Herzblut auslebt.

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