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Schwefel

Stell dir bitte einen Brocken Schwefel vor. Ein gelber, faustgroßer Klumpen, gefunden am Hang eines Vulkans, aus dessen Spalten heiße Dämpfe aufsteigen, die nach faulen Eiern stinken.

Hand aufs Herz: Würdest du herzhaft hineinbeißen in diesen Klumpen?

Nein? Schade, denn Schwefel gehört zu den Elementen, die in unserem Körper am häufigsten anzutreffen sind, wir bestehen zu ca. 0,25 % aus Schwefel.[1] Das sind bei einem 70 kg schweren Menschen sage und schreibe 175 g – vom viel bekannteren, ebenfalls essentiellen Eisen trägt dieser Mensch nur bis zu 5 g mit sich herum.

Der Bedarf unseres Körpers an Schwefel ist aber auch immens: Schwefel ist an allen möglichen Körperbausteinen und damit an zahllosen biologischen Prozessen beteiligt. Enzyme, Coenzyme, Insulin, Proteine und Peptide (= Mini-Proteine), Haut und Haare beinhalten allesamt Schwefel und würden ohne ihn nicht existieren bzw. funktionieren. Auch Vitamine tragen Schwefel in sich: Biotin zum Beispiel, das Vitamin B7. Vitamin B1 trägt es sogar im Namen: „Thiamin“, dessen Silbe „thia“ nichts anderes bedeutet als Schwefel.

Auch die Silbe „thio“ deutet auf Schwefel als maßgeblichen Baustein hin, so wie in „Methionin“, einer Aminosäure auf Schwefelbasis, die als Bestandteil von Proteinen zur Bildung von Cholin, Creatin, Nukleinsäuren, Melatonin, Adrenalin u. v. m. unverzichtbar ist für den Menschen.

Ohne eine schwefelige Silbe kommt die Aminosäure Cystein aus, die nichtsdestotrotz auf diesen Mineralstoff angewiesen ist, um als Baustein von Proteinen ebendiese mithilfe von sogenannten Disulfidbrücken (= Atombindung zwischen zwei Schwefelatomen) räumlich auszudehnen und damit z. B. ihre Form und/oder Funktion zu ändern.[2] Bindegewebe, Sehnen, Knorpel, Knochen und Muskeln würden ohne diese Aminosäure nicht funktionieren. Auch im Coenzym A ist Cystein und damit Schwefel enthalten und so am Stoffwechsel von Zucker und Eiweiß beteiligt.

Diverses zum Schwefel

Schwefel findet sich als Bestandteil von Proteinen in fast jedem Lebensmittel, vor allem natürlich in eiweißreichen tierischen Nahrungsmitteln wie Fleisch, Fisch, Milch, Eiern sowie in Nüssen und Kernen. Aber auch Knoblauch und Zwiebeln enthalten in Form des sogenannten Allicins relativ viel Schwefel. Allicin ist ein Abbauprodukt der pflanzeneigenen Aminosäure Alliin und sorgt für den strengen Geruch von Knoblauch und Zwiebeln.

Weitere Infos am Rande

In der Drüsenflüssigkeit von Stinktieren und in Form von Schwefelwasserstoff sorgt Schwefel für ein durchschlagendes Geruchserlebnis (erinnern Sie sich noch an Ihren Chemieunterricht?). Schwefeldioxid gelangt als Nebenprodukt der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen zuerst in die Atmosphäre und als saurer Regen wieder zurück auf die Erde. Für Kraftwerke sind daher mittlerweile Rauchgasentschwefelungsanlagen vorgeschrieben und auch für Fahrzeuge gelten Höchstmengen für Schwefel in Abgasen.

Im „Europäischen Arzneibuch“ wird Schwefel lediglich zur äußeren Anwendung geführt.[3][4] Er ist in der Lage, Bakterien und Pilze zu bekämpfen und wird daher in Salben gegen Akne, Krätze und Mykosen (Pilzerkrankungen der Haut) verwendet. Innerlich angewendet hat Schwefel eine abführende Wirkung, was ihm wohl zu dem Ruf verholfen hat, entgiftend zu wirken.

Apropos „Gift“: Giftig wird Schwefel erst in Verbindung mit anderen Substanzen wie z. B. Sauerstoff oder Wasserstoff (-> stinkende, giftige Gase). Reiner Schwefel ist geruch- und geschmacklos und für den Menschen völlig ungefährlich. Sie dürfen also gern herzhaft in den oben beschriebenen Schwefelklumpen beißen!

Funktionen von Schwefel im Körper

  • Eiweiß- und Zuckerstoffwechsel
  • Bestandteil von Proteinen und Peptiden
  • Bestandteil von Enzymen und Coenzymen
  • Bestandteil von Aminosäuren und deren Folgeprodukten
  • Bestandteil von Insulin
  • Bestandteil von Vitaminen
  • Aufbau und Gesunderhaltung von Bindegewebe, Knochen, Knorpeln, Gelenken, Muskeln, Haut, Haaren und Nägeln
  • Stärkung des Immunsystems
  • Arznei äußerlich: Wirkung gegen Bakterien und Pilze
  • Arznei innerlich: abführend

Symptome eines Mangels

Da Schwefel in nahezu allen unseren Lebensmitteln vorkommt, ist ein Mangel nahezu auszuschließen. Sollte es aufgrund einer fortgesetzten einseitigen oder Unterernährung doch zu einem Schwefel-Mangel kommen, können sich folgende Symptome einstellen:

  • Stumpfes Haar
  • Spröde Fingernägel
  • Leberprobleme
  • Gelenkbeschwerden

Zurzeit wird sehr für das Nahrungsergänzungsmittel „organischer Schwefel“ oder „MSM“ geworben. MSM steht für Methylsulfonylmethan, was eine Verbindung aus Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff und Schwefel ist. MSM kommt tatsächlich auch natürlich in unseren Lebensmitteln vor, z. B. in Tomaten, Kaffee, Kuhmilch und Tee. Es gibt Studien, die die Wirksamkeit von MSM gegen Entzündungen oder Schmerzen belegen sollen – allerdings weisen diese allesamt gravierende Mängel auf, sodass die positive Wirkung von MSM als Nahrungsergänzungsmittel hierdurch nicht bewiesen ist.[5][6]

Symptome eines Überschusses

Reiner Schwefel ist für den Menschen ungiftig und ein eventuell aufgenommener Überschuss wird schlicht wieder ausgeschieden.

Einige Menschen reagieren jedoch äußerst empfindlich auf Schwefel, so z. B. auf Lebensmittel wie Rosinen oder Wein, die zur Haltbarmachung „geschwefelt“ werden. Sie reagieren darauf mit

  • Kopfschmerzen
  • Migräne
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • allergische Reaktionen

Für alle Menschen wirklich gefährlich wird Schwefel erst dann, wenn er mit anderen Stoffen Verbindungen eingeht, so z. B. als Schwefelsäure, Schwefelkohlenstoff, Schwefeldioxid oder Schwefelwasserstoff.

Schwefelsäure, eine Verbindung von Schwefel mit Wasser- und Sauerstoff, ist u. a. in Autobatterien und Dünger enthalten und wirkt stark ätzend. Vergiftungen zeigen sich je nach Konzentration der Schwefelsäure, mit der man in Kontakt kommt, durch

  • Reizung von Haut und Schleimhäuten
  • Verätzungen
  • Sehr schlecht heilende Wunden

Schwefelkohlenstoff ist eine farblose Flüssigkeit, die aus der Verbindung von Schwefel mit Kohlenstoff entsteht und sehr gut fettlöslich ist. Über die Haut und die Lunge wird Schwefelkohlenstoff leicht in den Körper aufgenommen und führt dort akut oder wenn man über längere Zeit den Dämpfen ausgesetzt ist zu

  • Gesichtsrötung
  • Kopfschmerzen
  • Hör- und Sehstörungen
  • Euphorische Erregung
  • Schlaflosigkeit
  • Gedächtnisprobleme
  • Nervenentzündungen
  • Gefäßschäden
  • Nierenschäden
  • Atemlähmung
  • Bewusstlosigkeit
  • Koma

Schwefeldioxid und Schwefelwasserstoff sind arg stinkende Gase, die beide zunächst die Geruchsnerven betäuben, was sie besonders gefährlich macht. Die Symptome einer Vergiftung zeigen sich durch

  • Betäubung der Geruchsnerven
  • Reizung der Schleimhäute (Augen, Atemwege, Hustenreiz, Speichelfluss)
  • Atembeschwerden
  • Brechreiz
  • Kopfschmerzen
  • Benommenheit, Schwindel
  • Wassereinlagerungen in der Lunge
  • Zerstörung des roten Blutfarbstoffs
  • Krämpfe
  • Bewusstlosigkeit

Tagesbedarf Schwefel

Bezüglich Schwefels hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) keine Empfehlungen herausgegeben, sie sagt hierzu:

„[…] Zu den Mengenelementen gehört auch Schwefel, da es Bestandteil einer Reihe von lebensnotwendigen Verbindungen wie z. B. Insulin, Sulfatiden und Keratin ist. Der Bedarf des Menschen an Schwefel wird mit einer ausreichenden Zufuhr von schwefelhaltigen Aminosäuren (Cystin, Cystein, Methionin) gedeckt. Deshalb wird Schwefel nicht gesondert abgehandelt.“[7]

Wie viel Schwefel steckt in LCHF geeigneten Lebensmitteln?

Die in der Tabelle angegebenen Schwefel-Werte (mg) und die Kohlenhydrat-Werte (g) beziehen sich auf jeweils 100 g des genannten Lebensmittels, frisch und nicht zubereitet.

Lebensmittel

Schwefel mg

KH g

Miesmuschel

369,0

3,9

Pfifferling getrocknet

333,0

2,1

Jakobsmuschel

300,0

0,0

Shrimps

298,0

0,8

Steinbutt

274,0

0,0

Tintenfisch

274,0

2,4

Scholle

273,0

0,8

Parmesan

250,0

0,0

Forelle frisch

247,0

0,0

Paranuss

245,0

3,5

Forelle geräuchert

234,0

0,0

Schnittkäse Vollfett

234,0

0,0

Mettwurst

233,0

0,2

Kalbsleber

232,0

5,6

Rinderleber

232,0

6,4

Sesam

230,0

10,2

Hering / Makrele / Thunfisch

226,0

0,0

Schweineleber

224,0

2,6

Heilbutt geräuchert

222,0

0,9

Bückling

221,0

0,0

Gorgonzola

220,0

0,0

Brathähnchen

217,0

0,3

Eisbein vom Schwein

214,0

1,7

Flusskrebs

214,0

1,3

Hühnerleber

213,0

6,0

Weichkäse

210,0

0,0

Rindfleisch

208,0

0,7

Räucherlachs

201,0

0,0

Auster

200,0

3,9

Feta

200,0

0,0

Kresse

200,0

2,0

Mozzarella

200,0

1,9

Putenfleisch mit Haut

200,0

1,3

Bratwurst

198,0

0,3

Petersilie

190,0

7,4

Cashewnuss

184,0

25,3

Hühnerei

180,0

0,7

Lachs frisch

180,0

0,0

Ricotta

180,0

0,3

Salami

173,0

1,9

Hummer

170,0

0,0

Schweinefleisch

170,0

0,4

Leberwurst

167,0

1,5

Aal geräuchert

165,0

0,0

Schweineschinken

165,0

0,9

Haselnuss

160,0

10,5

Kürbiskerne

160,0

14,2

Schinkenwurst

156,0

0,2

Kasseler

151,0

0,9

Leinsamen

150,0

0,0

Mandeln

150,0

3,7

Pinienkerne

150,0

7,3

Walnuss

140,0

10,6

Steinpilz getrocknet

135,0

4,0

Weißwurst

132,0

0,3

Leberkäse

125,0

0,4

Broccoli

124,0

1,9

Bockwurst

121,0

0,3

Sonnenblumenkerne

120,0

12,3

Frischkäse Doppelrahm

110,0

2,5

Brunnenkresse

100,0

2,0

Hüttenkäse

100,0

2,6

Quark

90,0

3,2

Grünkohl

87,0

1,6

Schnittlauch

80,0

1,6

Wirsing

80,0

1,7

Rosenkohl

79,0

2,2

Kokosraspeln

76,0

6,4

Hagebutte Konzentrat

66,0

42,4

Chinakohl

60,0

1,2

Porree

58,0

2,5

Feldsalat

57,0

0,7

Blumenkohl

55,0

1,6

Weißkohl

54,0

4,2

Rotkohl

53,0

2,8

Schalotte

51,0

3,3

Zwiebel

51,0

4,9

Algen

50,0

2,1

Fenchel

50,0

2,8

Knoblauch

50,0

28,4

Kohlrabi

50,0

3,7

Sprossen

50,0

2,2

Spargel

47,0

1,6

Sauerkraut

41,0

0,6

Weinsauerkraut

41,0

0,8

Oliven schwarz

40,0

4,9

Sanddornbeere Konzentrat

40,0

21,8

Radieschen

37,0

2,1

Steckrübe

37,0

3,7

Oliven grün

36,0

1,8

Pfifferling frisch

35,0

0,2

Champignon

34,0

0,6

Johannisbeere schwarz

33,0

10,3

Buttermilch

30,0

4,0

Dickmilch

30,0

4,0

Kefir

30,0

4,1

Kuhmilch

30,0

4,8

Aubergine

29,0

2,5

Johannisbeere rot

29,0

7,3

Endivien

26,0

0,3

Rettich

25,0

1,9

Zucchini

25,0

2,0

Kokosmilch

24,0

4,9

Joghurt 10 %

23,0

4,0

Saure Sahne

23,0

2,0

Schwarzwurzel

22,0

1,6

Weiße Rübe

22,0

4,7

Mayonnaise

21,0

2,0

Paprika grün

21,0

2,9

Avocado

20,0

0,4

Mangold

20,0

2,9

Paprika rot

20,0

6,4

Schlagsahne

20,0

3,2

Spinat

20,0

0,6

Steinpilz frisch

20,0

0,5

Grüne Bohnen

17,0

3,2

Himbeere

17,0

4,8

Pastinake

17,0

2,0

Eisbergsalat

16,0

1,6

Kopfsalat

16,0

1,1

Romanosalat

16,0

1,7

Rote Beete

16,0

6,1

Bleichsellerie

15,0

2,2

Knollensellerie

15,0

1,6

Chicorée

13,0

2,3

Erdbeeren

13,0

5,5

Heidelbeere

13,0

7,4

Brombeere

12,0

2,7

Radicchio

12,0

1,5

Wassermelone

12,0

8,3

Gurke

11,0

1,8

Tomate

11,0

2,6

Kürbis

10,0

4,6

Butter

9,0

0,6

Rhabarber

8,0

1,4

Möhre

7,0

4,8

Kräutertee

3,0

0,2

Schwarztee

3,0

0,0

Butterschmalz

1,0

0,0

Kaffee

1,0

0,0

Mineralwasser m. Kohlensäure

1,0

0,0

Mineralwasser o. Kohlensäure

1,0

0,0

Quellen

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Schwefel#Vorkommen_und_Funktion_in_Lebewesen

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Konformations%C3%A4nderung

[3] Pharmacopoea Europaea, 6. Ausgabe, Grundwerk 2008, Monographie 6.0/0953

[4] Arzneibuch-Kommentar. Wissenschaftliche Erläuterungen zum Europäischen Arzneibuch und zum Deutschen Arzneibuch. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2004, Monographie Schwefel zum äußerlichen Gebrauch. 23. Lieferung, 2006

[5 und 6] https://www.onmeda.de/ernaehrung/naehrstoffe/schwefel-id201120/ ; mit weiteren Nachweisen

[7] https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/faqs/referenzwerte/#c1553

Andrea Texterin der Serie VItamine und Mineralstoffe

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